
Die Gewalt bei der Bahn eskaliert: Beschimpfungen, Drohungen und sogar Angriffe gehören für viele Beschäftigte zum Alltag. Eine neue Umfrage zeigt, wie groß die Angst inzwischen ist.
Beschimpfungen, Drohungen, Schläge – für viele Bahnmitarbeiter gehört das inzwischen zum Alltag. Eine neue Umfrage zeigt: Die Gewalt hat Folgen für das ganze System.
Angst im Dienst: Viele Bahnmitarbeiter denken ans Aufhören
Immer mehr Beschäftigte der Deutschen Bahn fühlen sich bei der Arbeit unsicher. Eine aktuelle Umfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zeichnet ein alarmierendes Bild: Fast jeder dritte Mitarbeiter denkt darüber nach, seinen Job aufzugeben. An der Befragung nahmen rund 4000 Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt teil. Zwei Drittel von ihnen gaben an, dass ihr Gefühl von Sicherheit im Job deutlich abgenommen habe. Besonders erschreckend: Jeder zweite Befragte hat nach eigenen Angaben bereits einen körperlichen Angriff erlebt. Fast alle berichten von Beleidigungen, Beschimpfungen oder Drohungen durch Fahrgäste. EVG-Vizechef Kristian Loroch warnt vor dramatischen Folgen. Ein massenhafter Personalverlust könne für die Bahn zum ernsthaften Problem werden.
Wie gefährlich der Job geworden ist, zeigte ein besonders brutaler Vorfall im Februar: In einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz griff ein Fahrgast ohne gültiges Ticket einen Zugbegleiter an. Der 36-Jährige wurde so schwer verletzt, dass er später starb. Die Bahn reagierte mit einem Sicherheitsgipfel, gemeinsam mit Gewerkschaften, Politik und Behörden. Dabei wurden mehrere Maßnahmen beschlossen: 200 zusätzliche Kräfte bei der DB-Sicherheit, bessere Schutzausrüstung sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Außerdem sollen künftig alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt Zugang zu Bodycams erhalten. In bestimmten Fällen sollen zudem verpflichtende Ausweiskontrollen durch das Zugpersonal wegfallen, um Konflikte zu entschärfen.
Milliardenforderung für mehr Sicherheit
Nach dem tödlichen Angriff fordert die EVG zudem, Zugbegleiter grundsätzlich in Zweier-Teams einzusetzen. Die Idee: Doch die Umsetzung wäre schwierig. Bundesweit würde das nach Gewerkschaftsangaben rund eine Milliarde Euro kosten. Außerdem müssten etwa 3000 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. Die Infrastrukturministerin von Sachsen-Anhalt, Lydia Hüskens, hält Zweier-Teams zwar grundsätzlich für sinnvoll, aber nicht überall für notwendig. Stattdessen plädiert sie für gezielte Einsätze auf besonders problematischen Strecken.
Fest steht: Die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter ist längst kein Einzelfall mehr. Im vergangenen Jahr registrierte die Bahn mehr als 3200 körperliche Angriffe auf Beschäftigte – und die Sorge wächst, dass viele dem Job bald endgültig den Rücken kehren.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Redaktionsnetzwerk Deutschland, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Deutsche Bahn)














