Nichts fährt mehr: ÖPNV-Streik bringt Alltag durcheinander

Ein großer Demonstrantenzug in der Innenstadt. Die Protestierenden tragen Gelbwesten, Fahnen und Banner, und vor ihnen sieht man ein Blaulicht eines Einsatzfahrzeuges. Die Streikenden versammeln sich auf der Straße.
Symbolbild © imago/Panama Pictures

In Deutschland sind täglich zahlreiche Menschen auf Bus und Bahn angewiesen. Vor allem Pendler leiden nun in ihrem Alltag durch den fast landesweiten ÖPNV-Streik, der nicht zu enden scheint.

Mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie Bus und Bahn erreichen jeden Tag Millionen Bürger ihre Arbeit oder Ausbildungsstätte. Jedoch sind sie in ihrem Alltag stark eingeschränkt, denn durch den aktuellen ÖPNV-Streik fährt fast gar nichts mehr. Noch ist dabei der letzte Tag des Streiks nicht überwunden.

Wenn morgens nichts mehr fährt

Der Wochenstart verläuft für viele anders als geplant. Wo sonst Busse und Bahnen den Takt vorgeben, herrscht Stillstand. Pendler stehen früher auf, suchen Mitfahrgelegenheiten oder steigen notgedrungen wieder ins Auto – und das überall in Deutschland. Besonders in Städten zeigt sich sofort, wie abhängig der Alltag, primär bei Pendlern, vom Nahverkehr ist.

Solche Streiktage treffen einen wunden Punkt. Der ÖPNV gilt als Schlüssel für Mobilität, Klimaschutz und soziale Teilhabe. Fällt er aus, geraten nicht nur Fahrpläne durcheinander, sondern ganze Tagesabläufe. Das erklärt, warum die Stimmung schnell kippt. In sozialen Netzwerken macht sich Frust breit. Viele empfinden die Häufung von Arbeitskämpfen als Belastung. Andere sorgen sich, dass der Nahverkehr an Vertrauen verliert und Menschen dauerhaft zum Auto zurückkehren. Doch der Stillstand kommt nicht aus dem Nichts. Hinter den geschlossenen Türen der Depots läuft seit Monaten ein Konflikt zwischen der Gewerkschaft Verdi, der Politik, der Wirtschaft und Arbeitnehmern.

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ÖPNV-Streik und Verdi: Was wirklich auf dem Spiel steht

Im Zentrum steht der Manteltarifvertrag für den kommunalen Nahverkehr. Er regelt, wie lange Schichten dauern, wie Dienste verteilt werden und welche Absicherung im Krankheitsfall gilt. Nach Darstellung von ver.di wollen Arbeitgeber hier nachschärfen – zulasten der Beschäftigten. Genau das will die Gewerkschaft verhindern. Aus ihrer Sicht geht es um die Frage, ob der Beruf im ÖPNV langfristig noch leistbar bleibt. Schon heute klagen viele Fahrer über hohe Belastung, unregelmäßige Arbeitszeiten und fehlende Pausen. Der Streik soll Druck erzeugen, bevor neue Regeln Fakten schaffen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: der massive Personalmangel. Laut Branchenangaben fehlen bundesweit bereits zehntausende Fahrer und Triebfahrzeugführer. Bis 2030 werden deutlich mehr Beschäftigte gebraucht, wenn Busse und Bahnen ausgebaut werden sollen. Ohne bessere Bedingungen dürfte das kaum gelingen. Für Fahrgäste bleibt der Streik ärgerlich, bietet aber auch Orientierung. Als Verbrauchertipp kann man empfehlen, dass Verkehrsunternehmen frühzeitig über Notfahrpläne informieren und Ersatzverkehr oder Kulanzregelungen bei Tickets anbieten. Dies sollte man nach Möglichkeit auch nutzen. Zudem erkennen viele Arbeitgeber Streiktage als Entschuldigung für Verspätungen an, wenn Alternativen fehlen.

(Quellen: ÖPNV Deutschland, Verdi, dpa)