
Mit einem neuen beeindruckenden Reichweiten-Rekord setzt das folgende E-Auto ein starkes Zeichen für die Zukunft. Das dürfte viele Skeptiker überraschen und die Diskussion neu entfachen.
Der neue Reichweiten-Rekord dieses E-Autos sollte doch eigentlich alle Zweifel an der Elektromobilität aus dem Weg räumen. Und dennoch zeigen sich weiterhin nicht alle zufrieden – darunter auch Fachleute.
Von St. Moritz bis München – Die Rekordfahrt, die skeptische Blicke auf sich zieht
Der US-amerikanische Hersteller Lucid Motors hat mit seinem Modell Air Grand Touring eine Strecke von 1.205 Kilometern am Stück zurückgelegt – mit nur einer Akkuladung. Die Fahrt führte vom Schweizer Höhenkurort St. Moritz über Österreich bis nach München. Damit sicherte sich Lucid einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde in der Kategorie: Weiteste Reise eines Elektroautos mit einer Ladung. Der bisherige Rekordhalter war der Mercedes EQS 450, der erst im Juni in Japan 1.045 Kilometer schaffte. Trotzdem haben Experten an dem neuen Reichweiten-Rekord des sportlichen E-Autos etwas auszusetzen.
Der Streckenverlauf spielte dem Lucid Air in die Karten: Von rund 1.800 Metern Höhe in St. Moritz ging es über den Bodensee (400 m) und den Arlbergtunnel (1.200 m) stetig bergab – eine Topographie, die für E-Autos energetisch von Vorteil ist. Rekuperation (Energierückgewinnung beim Bergabfahren) hilft dabei, die Reichweite zu maximieren. Außerdem ist das E-Auto und Inhaber des Reichweiten-Rekords alles andere als ein Schnäppchen. Der Listenpreis des Lucid Air Grand Touring beginnt in Deutschland bei rund 129.900 Euro. Im Alltagsbetrieb liegt die realistische Reichweite laut Hersteller bei etwa 960 Kilometern – viele Nutzer dürften jedoch deutlich darunter bleiben.
Höhenmeter, Rekuperation und Realität: Der Rekord glänzt – aber nicht nur
Trotz des eindrucksvollen Reichweiten-Rekords bei einem E-Auto bleiben Branchenexperten zurückhaltend. Laut Einschätzung des Center of Automotive Management (CAM) setzt sich das Rennen um immer größere Reichweiten zwar fort, doch die Bedeutung extrem hoher Werte nimmt ab. Dafür sorgt vor allem das stetig verbesserte Ladenetz, insbesondere der Ausbau von Schnellladestationen. Zudem legen viele Fahrer ohnehin alle zwei bis drei Stunden eine Pause ein, was ausreichend Zeit zum Nachladen bietet.
So relativ die Rekordfahrt auch sein mag – in einem Punkt sind sich Experten einig: Reichweite bleibt in den Köpfen vieler Kunden ein zentrales Thema. Aktionen wie diese könnten helfen, Ängste abzubauen – und zeigen, wie weit die Technologie inzwischen gekommen ist.
Lucid mag in Deutschland mit nur etwa 500 zugelassenen Fahrzeugen bislang kaum sichtbar sein. Doch der neue Reichweiten-Rekord eines E-Autos zeigt: Die Zukunft fährt elektrisch – und weiter, als viele denken.














