Schlecht fürs Klima: Deutschlandticket wird immer teurer

Ein Zug der Deutschen Bahn steht in einem Bahnhof. Es ist ein ICE, der am Bahnsteig wartet. Auf dem Zug steht in großen roten Buchstaben "DB".
Symbolbild © istockphoto/Boarding1Now

Experten warnen: Wenn das Deutschlandticket jetzt im Januar teurer wird, könnte das langfristig dem Klima schaden. Denn viele Pendler sind versucht, wieder aufs Auto umzusteigen.

In nur acht Tagen ist das Deutschlandticket abermals teurer, und genau das könnte schlecht fürs Klima sein. Die 63 Euro setzen nicht nur die Pendler, sondern auch die Klimaziele unter Druck.

Von der Entlastung zur Belastung: Die steile Preiskurve des Deutschlandtickets

Ab dem 1. Januar kostet die bundesweite Flatrate für Bus und Bahn 63 Euro – die nächste Stufe in einer stetigen Preisspirale. Innerhalb von zweieinhalb Jahren ist der Preis des Nachfolgers des 9-Euro-Tickets um 29 Prozent gestiegen, weit über der allgemeinen Inflation. Diese Entwicklung droht, ein zentrales Instrument für die Verkehrswende auszuhöhlen. Die Logik der Verkehrsforschung ist eindeutig: Je teurer das Ticket, desto geringer der Anreiz, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Studien zeigen, dass ein substanzieller Teil der aktuellen Nutzer bei weiteren Preiserhöhungen zum Pkw zurückkehren würde. Jede dieser Fahrten bedeutet mehr CO₂-Emissionen. Damit wird deutlich, wie sehr eine kurzfristige Finanzierungsfrage langfristig dem Klima schaden kann: Je teurer das Deutschlandticket wird, desto mehr verliert es seine ökologische Lenkungswirkung. Doch hinter der erneuten Erhöhung steckt letztlich der anhaltende Finanzierungsstreit zwischen Bund und Ländern. Die Folge ist wiederum eine wachsende Gerechtigkeitslücke. Während Arbeitnehmer mit betrieblicher Förderung den Aufpreis oft nicht spüren, trifft er Haushalte mit knappem Budget voll. Experten sprechen von zunehmender Mobilitätsarmut, wenn sich grundlegende Erreichbarkeit nicht mehr finanzieren lässt.

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Wer an der Haltestelle zurückbleibt: Die soziale Schieflage

Bisher bleiben die unmittelbaren Kündigungswellen zwar lokal begrenzt, wie etwa der Verkehrsverbund Freiburg bestätigt. Doch die Vorzeichen sind klar: Nach der letzten Erhöhung auf 58 Euro sind bundesweit schätzungsweise eine Million Kunden abgesprungen. Langfristig untergräbt die Preisspirale die Attraktivität des ÖPNV.

In einer Zeit, in der anderswo über schärfere Klimaauflagen für Autos debattiert wird, sendet die fortwährende Verteuerung des Deutschlandtickets ein widersprüchliches Signal. Sie gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Verkehrswende, sondern letztlich auch ihr Ziel: die deutliche Reduktion von Verkehrsemissionen.

Die entscheidende Frage lautet daher, wann der Preis für das Ticket zu hoch wird – nicht nur für den Geldbeutel der Pendler, sondern für das Klima.

(Quellen: Bundesverkehrsministerium, Deutschlandticket)