TÜV-Aus droht Diesel und Benzinern: Neue Vorgaben für alte Autos

Zwei Hände entfernen eine orangefarbene TÜV-Plakette mit einem Kratzer von einem Nummernschild. Eine orangefarbene TÜV-Plakette bedeutet, dass die Hauptuntersuchung im Jahr 2025 fällig ist.
Symbolbild © istockphoto/deepblue4you

Autofahrer müssen sich auf neue Vorgaben für ältere Fahrzeuge einstellen. Hintergrund sind technische Veränderungen und gesetzliche Anpassungen. Besonders bei der Hauptuntersuchung könnten diese Regeln entscheidend werden.

Ein kleines Detail im Auto könnte bald große Folgen haben: Für Millionen Fahrer droht Ärger beim TÜV – und kaum jemand hat das Problem auf dem Schirm.

Wenn der Lebensretter plötzlich schweigt

Deutschland bereitet sich auf die Abschaltung des 2G-Mobilfunknetzes vor. Spätestens 2028 soll Schluss sein. Doch genau dieses Netz ist für eine Technik entscheidend, die in modernen Autos längst Pflicht ist – den automatischen Notruf eCall. Bei einem schweren Unfall wird es automatisch aktiviert: Warnblinker gehen an, Türen werden entriegelt, die Kraftstoffpumpe abgeschaltet, die Batterie getrennt. Vor allem aber wählt das Auto selbstständig den Notruf 112. Die Leitstelle erhält den exakten Standort und kann sogar mit den Insassen sprechen.

Alternativ lässt sich der Notruf per SOS-Knopf in der Dachkonsole auslösen, etwa bei einem medizinischen Notfall. Die EU-Kommission ist überzeugt vom Nutzen: Mit eCall sollen Rettungskräfte nur halb so lange bis zum Unfallort brauchen. Langfristig könnte man so jedes Jahr rund 2.500 Menschenleben retten.

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Millionen Autos vor dem TÜV-Aus?

Der Haken: Viele eCall-Systeme funken ausschließlich über das 2G-Netz. Wird es abgeschaltet, bleibt der Notruf stumm. Betroffen sind Fahrzeuge mit Typgenehmigungen seit März 2018. Eine technische Alternative gibt es für diese Modelle bislang jedoch nicht. Der TÜV-Verband schlägt Alarm. Denn eCall ist für Fahrzeuge, die seit 2019 zugelassen wurden, gesetzlich vorgeschrieben. Funktioniert das System nicht mehr, könnte das bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel gewertet werden – mit der Folge: keine Plakette. Rund 5,5 Millionen Fahrzeuge, vor allem aus der Klein- und Mittelklasse, stehen damit im Risiko. Der TÜV fordert deshalb dringend eine Anpassung der Vorschriften, damit ein Netzausfall nicht automatisch zum Durchfallen führt.

Die Zukunft heißt NG eCall. Die neue Generation nutzt 4G- und 5G-Netze, ist schneller und kann sogar Bilder vom Unfallort übertragen. Doch für viele ältere Fahrzeuge ist eine Nachrüstung kaum möglich. Wichtig für Käufer: Ab 2026 ist NG eCall für neu typgenehmigte Pkw Pflicht, ab 2027 für alle Neuwagen. Alte Technik darf nur noch bis Ende 2026 erstmals zugelassen werden.

(Quellen: Bundesministerium für Digitales und Verkehr, EU-Kommission, TÜV-Verband)