Verbrenner-Aus wackelt: EU schaltet plötzlich in Rückwärtsgang

Vor dem Deutschen Bundestag steht ein Verkehrsschild, das das Verbrenner-Verbot ankündigt. Dieses beinhaltet das ab 2035 geltende Verbot für Autos mit Emissionen. Künftig sollen nur noch Elektroautos zugelassen werden.
Symbolbild © imago/Bihlmayerfotografie

Die Debatte um das Verbrenner-Aus geht in die nächste Runde. Die EU rudert weiter zurück und relativiert bereits gesteckte Ziele. Unterdessen brüstet sich die Bundesregierung mit zahlreichen Maßnahmen zum Klimaschutz.

Weniger Emissionen für Klima, Umwelt und Mensch – das ist das durchaus ehrenwerte Ziel, welches die Politik verfolgt. Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch auf europäischer Ebene scheint es jedoch nicht wie geplant zu laufen.

Wirtschaftliches Problemkind: Verbrenner-Aus

Was auf dem Papier gut aussieht, muss nicht immer praxistauglich sein. Genau so verhält es sich mit den Plänen zum Verbrenner-Aus. Das größte Problem liegt wohl auf wirtschaftlicher Ebene. Die Zollpolitik der USA und die schwierige Marktlage in China machen der Automobilbranche schon seit geraumer Zeit zu schaffen. Beinahe alle großen deutschen Autohersteller und Zulieferer verzeichneten zuletzt erhebliche Verluste, mussten Insolvenz anmelden und Stellen kürzen.

Experten prognostizieren unter den gegebenen Voraussetzungen einen weiteren Abwärtstrend. Doch ist das Problem auch auf eine Art hausgemacht. Der ursprüngliche Plan der Europäischen Union, ab 2035 ausschließlich Elektrofahrzeuge zuzulassen, sorgte vor allem bei den Autobauern und deren Angestellten für einen Aufschrei. Schätzungen zufolge gab es 2025 in der Branche 50.000 weniger Beschäftigte als noch 2024.

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Verbrenner-Verbot – vielleicht, vielleicht auch nicht

Zuletzt lenkte die EU-Kommission ein und schlug vor, dass vorerst weiterhin auch Verbrennerautos hergestellt werden dürfen. Außerdem sollen die Hersteller die Emissionen gegenüber 2021 nur noch um 90 Prozent senken – anstatt der vorher veranschlagten 100 Prozent. Die übrigen 10 Prozent dürfen die Hersteller durch anderweitige umweltfreundliche Maßnahmen wie klimaschonende Kraftstoffe und Materialien kompensieren. Dieser Kompromissvorschlag entlaste die Autoindustrie jedoch kaum, so Experten.

Die Union von CDU und CSU fordert von der EU nun eine Herabstufung auf 80 Prozent. Innerhalb der EU-Kommission soll es ebenfalls Unterstützer dafür geben, die festgeschrieben Vorhaben weiter zu lockern. Die Industrie soll weiterhin Autos mit Verbrennermotoren produzieren dürfen, und zwar in umfangreicherem Maße als geplant. Zudem müssten neue Vorschläge seitens der Kommission her, wie einige Stimmen fordern, um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu verbessern. Derzeit stehen damit die Klimaziele auf dem Prüfstand. Währenddessen präsentiert der Umweltminister stolz das „Klimaschutzprogramm 2026“ mit sämtlichen Maßnahmen zur Emissionsverringerung – ungeachtet der möglichen negativen Folgen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, NZZ)