
Die deutsche Industrie verliert in rasantem Tempo Arbeitsplätze. Rund 15.000 Jobs fallen mittlerweile jeden Monat weg. Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung – kurz IAB – zeigt, wie tief der Wandel inzwischen reicht.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in klassischen Industriebranchen. Energiekrisen, Veränderungen im Handel mit China und den USA sowie der Umbau traditioneller Geschäftsfelder setzen den Unternehmen zu. Gleichzeitig investieren Firmen seit Jahren weniger. Auch die Zahl der Unternehmensgründungen liegt laut IAB auf einem Tiefpunkt.
15.000 Jobs jeden Monat weg – Krise nimmt immer weiter zu
Dadurch entstehen deutlich weniger neue Arbeitsplätze als früher. Für 2026 hatte das Institut bereits einen Rückgang der Beschäftigung im produzierenden Gewerbe ohne Bau um rund 140.000 Menschen prognostiziert. Die aktuellen Zahlen zeigen nun, dass sich die schwierige Entwicklung fortsetzt. Während früher Beschäftigte aus schrumpfenden Bereichen häufiger neue Stellen innerhalb der Industrie fanden, gelingt dieser Wechsel inzwischen deutlich seltener.
Auch stark wachsende Branchen können die Verluste bislang nicht auffangen. Ein Beispiel ist die Rüstungsindustrie, die derzeit kräftig investiert und zusätzliches Personal sucht. Im vergangenen Jahr wechselten trotzdem nur rund 1.100 Beschäftigte aus anderen Industriebranchen dorthin. Das waren zwar dreimal so viele wie noch vor 2020, angesichts der monatlichen Jobverluste bleibt die Zahl jedoch gering. Weitere 1.400 Beschäftigte kamen aus Bereichen außerhalb der Industrie. Deutlich mehr Menschen verließen die Industrie dagegen vollständig: Rund 23.000 wechselten innerhalb eines Jahres in die öffentliche Verwaltung oder Sozialversicherung.
Tausende Arbeiter machen sich Sorgen – Arbeit in Gefahr
Das IAB sieht deshalb einen grundlegenden Wandel auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Während die Industrie Stellen verliert, entstehen Arbeitsplätze zunehmend in anderen Bereichen. Besonders öffentliche Dienstleistungen, Gesundheit und Erziehung wachsen. Für diese Bereiche erwartet das Institut 2026 rund 180.000 zusätzliche Beschäftigte. Insgesamt dürfte die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland in diesem Jahr allerdings um etwa 90.000 sinken. IAB-Forscher Enzo Weber fordert deshalb bessere Möglichkeiten für Weiterbildung und berufliche Wechsel. Beschäftigte müssten schneller dort eingesetzt werden können, wo neue Jobs entstehen. Denn ohne neue Investitionen und Unternehmensgründungen dürfte es für die Industrie schwierig bleiben, den Verlust Tausender Arbeitsplätze jeden Monat zu stoppen.
(Quellen: IAB, dpa)














