5.000 Jahre alt und plötzlich im Labor: „Superkeim“ aufgetaucht

Eine Person in einem Schutzanzug ist offenbar dabei, sich die Hände zu desinfizieren. Die Person muss sich wohl gegen eine Seuche schützen, um nicht krank zu werden.
Symbolbild © istockphoto/Eugeneonline

5.000 Jahre alt, und plötzlich befindet er sich im Labor: Ein „Superkeim“ ist aufgetaucht, der für mächtig Wirbel und große Verwunderung sorgt. Einige versuchen, die Rätsel zu lösen.

Dieser Fund wird wohl noch lange in aller Munde sein. Ein „Superkeim“ ist nach 5.000 Jahren plötzlich aufgetaucht und befindet sich nun im Labor. Bis alle Geheimnisse aufgedeckt sind, wird es jedoch wohl noch eine Weile dauern.

Verpresste Schichten aus Schnee und Eis

Nicht selten entpuppt sich eine Suche nach der Wahrheit als eine Reise voller Überraschungen. Schließlich verbergen Gletscher viel mehr, als auf den ersten Blick sichtbar erscheint. Gletscher sind mächtige und langsam fließende Massen aus Eis, die sich über Jahrhunderte aus Schneeansammlungen bildeten. Sie hinterlassen beeindruckende Landschaften wie Fjorde, U-förmige Täler und Moränen, die Zeugen einer langen geologischen Geschichte sind. Unter ihrer weißen Oberfläche liegen verpresste Schichten aus Schnee und Eis, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu festen Blöcken verdichteten. Bei diesen Schichten kann es schon einmal vorkommen, dass etwas 5.000 Jahre alt ist und plötzlich in einem Labor landet.

Inspirationsquelle für neue Antibiotika und industrielle Enzyme

Das Eis in Gletschern, Höhlen und Permafrost fungiert nicht selten als biologische Zeitkapsel. Darin sind Mikroorganismen eingefroren, die aus einer Welt stammen, die lange vor dem Einsatz von Antibiotika oder anderen modernen Medikamenten existierte. Forschenden gelingt es immer wieder, solche Organismen aus dem Eis zu reaktivieren. In der Scarisoara-Eishöhle im Nordwesten Rumäniens stoßen Forscher auf sehr alte Bakterienstämme, die gegen zahlreiche aktuelle Antibiotika unempfindlich sind. Zwar stellt damit dieser „Superkeim“ eine erhebliche Gefahr dar, eröffnet dabei jedoch gleichzeitig neue Möglichkeiten für die medizinische Wissenschaft.

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Diese aufgefundenen Bakterienstämme erweckte das Forscherteam wieder zum Leben und setzte diese etwa 28 modernen Antibiotika aus. Der Stamm Psychrobacter SC65A.3 verweigerte sich gegen zehn der geprüften Medikamente, die zur Behandlung einiger schwerer bakterieller Infektionen eingesetzt werden. Im Erbgut dieses „Superkeims“ fanden die Forscher mehr als 100 verschiedene Resistenzgene, aber demgegenüber auch etwa 600 Gene, die als Inspirationsquelle für neue Antibiotika und industrielle Enzyme dienen könnten. So wiesen die Forscher außerdem auch 11 Gene nach, die in der Lage sind, das Wachstum anderer Bakterien, Pilze oder Viren zu hemmen. Das Auftauchen des 5.000 Jahre alten „Superkeims“ wird wohl noch lange für Aufsehen sorgen.

(Quellen: Angaben der beteiligten Forschungsteams, wissenschaftliche Fachveröffentlichung)