Aktivrente im Januar gestartet: Rentner sollen wieder an die Arbeit

Eine ältere Dame mit einer roten Jacke geht mit ihrem Rollator in den Wald, um einen Spaziergang zu machen. Der Boden ist voller Laub und feucht. An den Bäumen hängen jedoch auch noch grüne Blätter.
Symbolbild © imago/ dts Nachrichtenagentur

Die Aktivrente lockt Rentner seit dem Jahreswechsel wieder zurück an die Arbeit. Sie ist ein Instrument, mit dem die Politik die Senioren noch einmal ansprechen will.

Irgendwie muss Deutschland seine Fachkräftelücke schließen. Deshalb soll die seit dem 1. Januar geltende Aktivrente sämtliche Rentner dazu motivieren, wieder an die Arbeit zu gehen.

Ein Lockmittel mit Haken: Warum Skepsis angebracht ist

Sie ist ein steuerliches Lockmittel mit einem klaren Ziel. Denn die Aktivrente ermöglicht Rentnern einen monatlichen Steuerfreibetrag von bis zu 2.000 Euro für sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten – sprich Arbeit. Hinter der Maßnahme steht die demografische Realität. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Um die dadurch entstehenden Lücken im Arbeitsmarkt zumindest zu mildern, setzt die Koalition auf finanzielle Anreize für Ältere. Parallel zur Aktivrente entfiel das Verbot, Arbeitnehmer nach Renteneintritt ohne Sachgrund befristet weiterzubeschäftigen.

Experten stehen dem neuen Instrument dennoch skeptisch gegenüber. Der enge Anwendungsbereich schließt Selbstständige, Beamte und Minijobber aus. Das größere Hindernis ist jedoch die deutsche Frührentner-Kultur. Rund 60 Prozent scheiden vor dem regulären Rentenalter aus dem Berufsleben aus, oft begünstigt durch attraktive betriebliche Altersteilzeitprogramme. Die Entscheidung, länger zu arbeiten, wird zudem weniger von steuerlichen Vergünstigungen als vom sozialen Umfeld beeinflusst. Ist der Freundeskreis bereits im Ruhestand, wiegt die Verlockung der Freizeit für Rentner oft schwerer als der finanzielle Anreiz der Arbeit per Aktivrente.

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Finanzielle Anreize genügen nicht: Ein umfassender Wandel ist nötig

Damit die Aktivrente ihre Wirkung entfalten kann, muss sie Teil einer umfassenderen Strategie werden. Sie allein kann den tiefgreifenden demografischen Wandel nicht ausgleichen. Vielmehr bedarf es zusätzlicher Maßnahmen wie gezielter Weiterbildungsangebote für Ältere und einer Unternehmenskultur, die die Stärken erfahrener Mitarbeiter wirklich wertschätzt.

Letztlich braucht es einen grundlegenden Wandel. Arbeitgeber sind gefordert, erfahrene Mitarbeiter frühzeitig zu binden und Perspektiven aufzuzeigen. Die Politik muss die Anreize für einen vorzeitigen Renteneintritt überprüfen. Nur wenn diese Hebel gemeinsam wirken, könnte das steuerliche Lockmittel zu mehr als einem Symbol im Kampf um Fachkräfte werden. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Aktivrente den erhofften Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts leisten kann.

(Quellen: Bundesrat, Aktivrente, Rentenversicherung)