Angriffe auf deutsches Stromnetz – Polizei startet Großfahndung

Mehrere große Hochspannungsübertragungstürme stehen dicht an dicht in einer Reihe auf einem weiten Feld. Die Sonne geht im Hintergrund unter und taucht den Himmel in warme Orange- und Rottöne. Zwischen den Türmen spannen sich mächtige Leitungen und Kabel, über die Strom zu Haushalten und Betrieben transportiert wird.
Symbolbild © istockphoto/deepblue4you

Die Infrastruktur in der Bundesrepublik ist zuletzt immer häufiger von fremden Agenten infiltiert und angegriffen worden. Nun hat die Polizei eine Großfahnung ausgerufen, nachdem Angriffe auf das deutsche Stromnetz publik wurden.

Mehrere Vorfälle an wichtigen Stromanlagen alarmieren die Behörden. Während Ermittler nach einem Verdächtigen suchen, wächst die Sorge um die Energieversorgung. Denn Angriffe auf Deutschlands Stromnetz behandelt die Polizei äußerst ernst.

Sich gegen das Schlimmste wappnen ist nun wichtiger denn je

Stromnetze gehören zu den unsichtbaren Lebensadern des Landes. Fällt die Versorgung aus, stehen schnell Kühlschrank, Heizung, Internet und viele Bezahlsysteme still. Genau deshalb gelten Umspannwerke und Leitungen als besonders sensible Infrastruktur. Anfang September häuften sich verdächtige Vorfälle in mehreren Bundesländern. Ermittler fanden unter anderem ungewöhnliche Abschussvorrichtungen an Stromanlagen. In Bergheim kam es nach einem Angriff sogar zu Ausfällen mehrerer Kraftwerksblöcke.

Für Haushalte lohnt sich unabhängig davon eine einfache Vorsorge. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt geladene Powerbanks, Taschenlampen und ein batteriebetriebenes oder per Kurbel betriebenes Radio. Auch etwas Bargeld kann wichtig sein, weil Geldautomaten bei einem Stromausfall ausfallen können.

Die Suche nimmt plötzlich eine neue Richtung

Lesen Sie auch
Corona-Zahlen steigen wieder – drei Varianten im Umlauf

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand ein 48-Jähriger aus Gevelsberg. Die Polizei suchte ihn tagelang mit größeren Einsatzkräften an verschiedenen Orten. Mehrere Sabotagefälle wurden ihm bereits zugerechnet. Besonders brisant: Bei den Vorfällen sollen selbst gebaute Vorrichtungen verwendet worden sein, um leitfähiges Material an Hochspannungsleitungen zu bringen. Dadurch sollten offenbar Kurzschlüsse entstehen. In Brandenburg kam es dadurch zweimal zu entsprechenden Störungen, ohne dass dort ein größerer Stromausfall folgte.

Am 8. September kam schließlich der Durchbruch. Einsatzkräfte stellten den Verdächtigen am Autobahnparkplatz nahe dem Kraftwerk Weisweiler bei Aachen. Nach Angaben der Ermittler fanden sie bei ihm zudem Sprengmittel; zuvor waren in der Umgebung weitere verdächtige Gegenstände entdeckt worden. Die Festnahme beendet die Ermittlungen jedoch nicht. Nun müssen die Behörden die einzelnen Angriffe genau zuordnen und den Tatverdacht weiter prüfen. Für Bürger bedeutet die Serie unterdessen nicht automatisch eine drohende flächendeckende Stromkrise. Eine vernünftige Notfallvorsorge bleibt trotzdem sinnvoll. Das BBK weist darauf hin, dass lokale Ausfälle meist nach einigen Stunden behoben sind, schwere Szenarien aber auch länger dauern können.

(Quellen: Polizei NRW, BMI)