Bestrafungen: Kinder auch von Bürgergeld-Sanktionen betroffen

Ein Vater hält seine kleine Tochter an der Hand und geht mit ihr wohl in einem Park spazieren. Mit der anderen Hand schiebt er den Kinderwagen.
Symbolbild © istockphoto/SolStock

Viele Familien in Deutschland sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, weil ihr Einkommen nicht ausreicht. Für Kinder bedeutet Armut oft Einschränkung im Alltag – auch sie sind teilweise von Bürgergeld-Sanktionen betroffen.

Steigende Lebenshaltungskosten treffen vorrangig Haushalte mit niedrigen Löhnen, Teilzeitstellen oder unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Auch Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern geraten schnell unter finanziellen Druck.

Bürgergeld wird zur Belastungsprobe für Familien

Wenn ein Elternteil erwerbslos wird oder nur unregelmäßig Arbeit findet, fehlt oft ein stabiles Einkommen. Hinzu kommen hohe Wohnkosten in vielen Städten. In solchen Situationen beantragen Betroffene Leistungen der Grundsicherung, um den Alltag zu sichern. Ohne diese Unterstützung könnten viele Familien grundlegende Ausgaben nicht decken und würden weiter in finanzielle Not geraten. Das Bürgergeld sichert den Lebensunterhalt von Menschen ohne ausreichendes Einkommen. Allerdings knüpft der Staat die Leistung an bestimmte Pflichten. Wer Termine im Jobcenter versäumt oder vereinbarte Schritte zur Arbeitsaufnahme nicht einhält, muss mit Kürzungen rechnen. Diese Sanktionen sollen Mitwirkung einfordern und die Integration in den Arbeitsmarkt fördern.

Kinder auch von Bürgergeld-Sanktionen betroffen

Wenn Geld knapp ist, verzichten Familien auf Freizeitangebote, Klassenfahrten oder Vereinsbeiträge. Manche Kinder erleben, dass ihre Eltern jeden Euro umdrehen müssen und Rechnungen Sorge bereiten. Das kann sich auf ihre Entwicklung und ihre Teilhabe am sozialen Leben auswirken. Studien zeigen, dass finanzielle Unsicherheit Stress in Familien verstärkt. Kinder tragen diese Spannungen mit, auch wenn sie die Ursachen nicht beeinflussen können. Gleichzeitig bemühen sich viele Eltern, ihren Kindern trotz begrenzter Mittel Stabilität zu geben. Dennoch bleibt das Risiko, dass Armut Chancen mindert und langfristige Folgen nach sich zieht.

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Im Jahresdurchschnitt 2024 wuchsen knapp 16.800 Minderjährige in Familien auf, bei denen das Jobcenter das Bürgergeld wegen Pflichtverletzungen oder versäumter Meldetermine kürzte. Das Bundesarbeitsministerium teilte diese Zahlen auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl deutlich zu. Sanktionen betrafen insgesamt rund 8.300 Bedarfsgemeinschaften mit Minderjährigen, darunter etwa 3.700 Alleinerziehende. Im Durchschnitt kürzten die Jobcenter die Leistungen um 63 Euro pro Monat und damit etwas stärker als im Vorjahr. Vertreter der Grünen sehen die Entwicklung kritisch und warnen, dass weitere Verschärfungen der Grundsicherung die Lage betroffener Kinder zusätzlich belasten könnten.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Bundesministerium für Arbeit und Soziales)