
Formulare ausfüllen, Daten melden, Nachweise sammeln und auf Genehmigungen warten: Deutschlands Bürokratie verschlingt jedes Jahr Milliarden. Neue Zahlen zeigen, wie groß die Belastung für die Wirtschaft inzwischen geworden ist.
Allein die Informationspflichten aus Bundesgesetzen verursachen nach Angaben des Sachverständigenrats Kosten von rund 65 Milliarden Euro pro Jahr. Vorgaben der EU, der Bundesländer und Kommunen sind darin noch gar nicht enthalten.
Bürokratie-Wahnsinn kostet 65 Milliarden Euro – Unternehmen am Limit
Auch die verlorene Arbeitszeit ist enorm. Mindestens 1,7 Prozent aller in Deutschland geleisteten Arbeitsstunden werden benötigt, um diese bundesrechtlichen Pflichten zu erfüllen. Zeit, in der Beschäftigte nicht produzieren, verkaufen oder andere Aufgaben erledigen können. Wie sehr das die Wirtschaft beschäftigt, zeigt eine neue Umfrage des ifo Instituts. Jedes zweite befragte Unternehmen bezeichnet Bürokratie und Regulierung als größtes Problem des Wirtschaftsstandorts. Damit liegt das Thema deutlich vor den Energiekosten, die 27 Prozent nennen. Arbeitskosten folgen mit 22 Prozent.
Besonders groß ist der Frust bei mittleren und großen Firmen. Dort sehen 58 beziehungsweise 59 Prozent die Bürokratie als großes Standortproblem. Auch für den Mittelstand gibt es gewaltige Zahlen. KfW Research hat ermittelt, dass mittelständische Unternehmen durchschnittlich 32 Stunden pro Monat für gesetzliche Vorgaben benötigen. Über alle Unternehmen hinweg summiert sich das auf rund 1,5 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr. Die Kosten beziffert die KfW auf rund 61 Milliarden Euro.
Komplizierte Genehmigungen: Neue Projekte und Investitionen auf der Kippe
Dabei geht es nicht nur um Geld für Formulare und Mitarbeiter. Das ifo Institut warnt vor einem weiteren Problem: Unternehmen können Investitionen aufgeben, wenn Genehmigungen und Dokumentationspflichten ein Vorhaben zu kompliziert oder zu teuer machen. Solche nicht getätigten Investitionen tauchen in den üblichen Kostenstatistiken gar nicht auf.
Die Bundesregierung verspricht Abhilfe. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 25 Prozent sinken. Seit November 2025 seien bereits Maßnahmen für eine jährliche Entlastung von rund zehn Milliarden Euro beschlossen worden. Die neuesten Zahlen zeigen allerdings, wie groß die Aufgabe weiterhin ist. Denn während Politik und Verwaltung über Vereinfachungen sprechen, nennt inzwischen jedes zweite Unternehmen genau diese Bürokratie als größtes Problem am Standort Deutschland.
(Quellen: ifo, Sachverständigenrat, KfW, Deutsche Bundesbank)














