Bundeswehr in Krise: Immer mehr Deutsche verweigern Dienst

Uniformierte Soldaten der deutschen Bundeswehr laufen im Gleichschritt. Die vorderen Reihen tragen Flaggen. Es sind nur Männer und keine Frauen unter den Soldaten zu sehen. Im Hintergrund befinden sich Zuschauer und ein Panzer.
Symbolbild © imago/ Björn Trotzki

Das Interesse an der Bundeswehr nimmt aufgrund der bedrohlichen Sicherheitslage zu. Gleichzeitig verweigern mehr Deutsche den Dienst. Die Zahl ist überraschend in die Höhe geschossen, wie aktuelle Daten jetzt belegen. 

Männliche Bürger ab dem Geburtsjahrgang 2008 werden künftig von der Bundeswehr zur Musterung geladen. Allerdings lehnen immer mehr Menschen den Dienst an der Waffe strikt ab.

Bundeswehr fordert junge Menschen zur Antwort auf

Zahlreiche junge Menschen müssen sich im Januar 2026 auf einen Brief von der Bundeswehr einstellen. Wer 18 Jahre alt ist, erhält die spezielle Post. Das geschieht im Rahmen des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes. Seit Beginn des Jahres ist es in Kraft. In einem Musterungsfragebogen müssen die Volljährigen unter anderem persönliche Daten und ihre Bereitschaft zum Wehrdienst preisgeben. Frauen und Menschen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ können den Bogen freiwillig ausfüllen. Männer hingegen müssen dies verpflichtend tun und sich mustern lassen.

Offiziell belegt: Immer mehr Deutsche verweigern den Dienst

Noch immer ist die Wehrpflicht hierzulande offiziell ausgesetzt. Aufgrund der zunehmend angespannten Sicherheitslage, etwa durch den russischen Angriffskrieg, rückt die Bundeswehr aber wieder stärker in den Fokus. Das neue Wehrdienstgesetz soll dabei helfen, mehr Freiwillige für den Verteidigungsfall zu sichern, die Truppe insgesamt zu vergrößern und die Reserve zu stärken. Doch einige Bürger planen, sich der Bundeswehr gar nicht erst anzuschließen – sie reichen dafür vorsorglich Anträge ein. Denn in Deutschland existiert das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen, das verfassungsrechtlich gestützt wird.

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Zahlen aus Hessen zeigen, dass grundsätzlich immer mehr Bürger eine Erstberatung durch die Bundeswehr in Anspruch nehmen. Mit mehr als 6.100 Beratungen bis Ende November 2025 stieß das Angebot auf eine beachtliche Resonanz. 2024 waren es noch 5.290. Zugleich verweigern jedoch mehr Personen den Wehrdienst: Die Zahl der Anträge ist 2025 im Vorjahresvergleich um über 70 Prozent gestiegen, wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erklärt. Über 3.860 Anträge erreichten die Behörde. Der plötzliche Anstieg im letzten Jahr dürfte maßgeblich auf die Verabschiedung des Modernisierungsgesetzes und auf die verschärfte Sicherheitslage zurückzuführen sein. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zahl im laufenden Jahr entwickelt.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa)