Chef fordert 40-Stunden-Woche – aber ohne einen Cent mehr Lohn

Ein Facharbeiter in der Fabrik bei der Arbeit. Er trägt Schutzbrille und Schutzhelm und hantiert an einer großen Maschine aus Stahl oder Metall. Er ist Angestellter eines Traditionsbetriebs aus Baden-Württemberg.
Symbolbild © imago/Rupert Oberhäuser

Nach den Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz fordert jetzt auch der Chef eines großen deutschen Unternehmens die 40-Stunden-Woche, allerdings ohne einen entsprechenden Lohnausgleich. Er argumentiert dabei mit der Finanzierung des Systems und einem starken Wirtschaftsstandort.

Diese Aussage dürfte nicht nur die Beschäftigten in Aufruhr versetzen. Der Chef eines deutschen Unternehmens fordert die 40-Stunden-Woche – und das ohne dass die Angestellten mehr Lohn bekommen.

„Zu wenig Stunden“: Bundeskanzler Merz fordert mehr Arbeit von den Deutschen

Bundeskanzler Friedrich Merz hat wiederholt gefordert, dass die Bürger in Deutschland wieder mehr und effizienter arbeiten müssen. Dabei betont der CDU-Politiker, dass der Wohlstand des Landes mit einer allgemeinen Vier-Tage-Woche oder einseitigem Fokus auf Work-Life-Balance auf Dauer nicht zu sichern sei.

Der Bundeskanzler argumentiert regelmäßig, dass die geleistete Stundenzahl im internationalen Vergleich zu niedrig sei und die deutsche Wirtschaft eine „gewaltige Kraftanstrengung“ zur Wettbewerbsfähigkeit benötige. Die Politik debattiert über eine Flexibilisierung des bisherigen Acht-Stunden-Tages. Statt einer starren täglichen Höchstgrenze soll künftig stärker auf einen wöchentlichen Durchschnitt gesetzt werden, um an einzelnen Tagen flexibel längere Arbeitszeiten zu erlauben.

Lesen Sie auch
Bürgergeld-Aus für Ukrainer – Merz-Plan droht zu scheitern

Chef fordert 40-Stunden-Woche: Unternehmer fordert dasselbe wie der Bundeskanzler

Der Beirats- und Aufsichtsratsvorsitzende des Waiblinger Motorsägenherstellers Stihl, Nikolas Stihl, hat eine generelle Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich gefordert. Er argumentiert, dass man die in der Metall- und Elektroindustrie etablierte 35-Stunden-Woche angesichts der aktuellen Krise nicht mehr tragen könne. Damit greift ein prominenter Wirtschaftsvertreter direkt die vom Bundeskanzler angestoßene politische Debatte über Mehrarbeit und eine Steigerung des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens auf.

Stihl begründet den Vorstoß mit einer dramatischen Bestandsaufnahme. Nach seinen Angaben hat Deutschland in den vergangenen acht Jahren rund 15 Prozent seiner Industrieproduktion verloren. Außerdem monatlich etwa 15.000 Industrie-Arbeitsplätze. Da Faktoren wie die Energiepreise, Steuern und regulatorische Pflichten in Deutschland im internationalen Vergleich extrem hoch blieben, müsse man an der Stellschraube der Arbeitskosten drehen. Eine Ausweitung der Arbeitszeit bei gleichem Gehalt senkt rechnerisch die Arbeitskosten. Der Unternehmer betont, dass Deutschland seinen früheren Vorsprung in der Produktivität gegenüber globalen Wettbewerbern eingebüßt habe. Genau dieser habe aber die hohen deutschen Löhne in der Vergangenheit gerechtfertigt.

(Quellen: STIHL, Destatis)