Corona: Minister will Wechselunterricht an Schulen in Baden-Württemberg

schüler in einem klassenzimmer während der corona-zeit
Symbolbild © istockphoto/Drazen Zigic

Karlsruhe-Insider (dpa/lsw) – Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) von der Notwendigkeit von Wechsel- beziehungsweise Fernunterricht in älteren Jahrgangsstufen überzeugen.

«Das erscheint mir jetzt ein probates Mittel», sagte er am Montag im Radioprogramm «SWR Aktuell». Um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu reduzieren, sei es wichtig, Kontakte zu beschränken.


Mit dem sogenannten Wechselunterricht, bei dem zum Beispiel Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden, könnten auch Kontakte auf dem Weg zur Schule und in Bussen und Bahnen eingegrenzt werden, sagte Lucha. Daher wolle er Eisenmann «dingend bitten, jetzt auf diesen Kurs einzuschwenken».

Das Kultusministerium teilte mit, dass es auch in sogenannten Corona-Hotspots nicht automatisch Wechselunterricht geben solle. «Entscheidend ist, ob das Infektionsgeschehen den Schulbetrieb tatsächlich beeinträchtigt.» Das Haus von Ministerin Eisenmann habe
dem Staats- und dem Sozialministerium einen Vorschlag gemacht, wonach ab 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen «sowie weitere(n) Voraussetzungen» zum Beispiel Schüler ab der Jahrgangsstufe 8 in den Wechselunterricht gehen könnten. Eine Entscheidung zu den Details stehe unmittelbar bevor, hieß es.

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Das Thema wird seit Wochen in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern diskutiert. Lehrerverbände wie der Philologenverband Baden-Württemberg haben sich dafür ausgesprochen. Kritiker mahnen an, dass Unterricht in der Schule besser sei und die Betreuung zu Hause ansonsten Eltern vor neue Probleme stellen könnte.

«Die Erfahrungen aus der ersten Jahreshälfte haben bundesweit gezeigt, dass sich im Fern- und Wechselunterricht, insbesondere für Kinder aus sozial schwächeren Familien, dem Bildungsauftrag nicht auf die gleiche Weise gerecht werden lässt, wie im Präsenzunterricht», hieß es aus dem Kultusministerium. «Zudem ist ein Präsenzunterricht ein wichtiger Faktor für Struktur im Leben der Kinder und Jugendlichen und in vielen Fällen auch beim Thema Kindeswohl.» Auch Lucha räumte ein, dass Präsenzunterricht wichtig sei. Aber bei älteren Schülern erscheine ihm Wechselunterricht jetzt angesichts der Lage mit weiter steigenden Infektionszahlen vertretbar, sagte er.