
Ein mächtiger Lieferdienst aus China greift nach Europas Paketmarkt: Mit Kampfpreisen, Express-Tempo und großen Übernahmeplänen setzt der neue Rivale die bekannten Platzhirsche massiv unter Druck.
Ein neuer Player aus Fernost mischt Europas Paketmarkt auf – mit roten Flitzern, Kampfpreisen und großen Übernahmeplänen.
Angriff mit roten Transportern
Auf Europas Straßen könnte es bald deutlich roter werden. Während Platzhirsche seit Jahren den Takt im Paketgeschäft vorgeben, rollt nun ein Herausforderer an, der über gewaltige Ressourcen verfügt – und ehrgeizige Pläne hegt. Der Name des neuen Dienstes: JoyExpress. Dahinter steht kein Start-up, sondern der chinesische Handelsgigant JD.com. In seiner Heimat gilt der Konzern als umsatzstärkster Einzelhändler des Landes und betreibt seit 2007 mit Jingdong Logistics ein riesiges Logistiknetzwerk. Modernste Technik und perfekte Organisation – das Erfolgsrezept aus China soll nun auch in Europa greifen.
Geplant sind zunächst rund sechzig Standorte, auch in Deutschland. In Metropolen will JoyExpress mit Same-Day- und Next-Day-Lieferungen punkten. Die Zustellung übernehmen eigene Mitarbeiter in gebrandeten Fahrzeugen: von Lkw über Lieferwagen bis hin zu elektrischen Lastenrädern. Das Ziel ist klar: maximale Kontrolle über die Lieferkette – und Tempo, das die Konkurrenz ins Schwitzen bringt.
MediaMarkt und Saturn als Türöffner?
Brisant wird der Vorstoß vor allem durch eine strategische Beteiligung. JD.com hält Anteile am Handelskonzern Ceconomy, zu dem wiederum die Elektronikriesen MediaMarkt und Saturn gehören. Ende 2025 kündigte JD.com sogar an, eine vollständige Übernahme anzustreben. Sollte dieser Deal durchgehen, könnten Fernseher, Smartphones und Waschmaschinen künftig mit roten JoyExpress-Transportern vorfahren. Vorerst beschränkt sich das Angebot allerdings auf den hauseigenen Online-Shop JoyBuy, der hierzulande noch kaum bekannt ist. Doch die Perspektive ist klar: erst die eigenen Produkte, dann externe Partner. Und immer mit dem Versprechen: Express-Lieferung zu günstigen Preisen.
Für Kunden klingt das verlockend. Neben der Zustellung sollen zudem auch Zusatzservices wie die Installation elektronischer Geräte angeboten werden. Ein Komplettpaket, das vor allem im Elektroniksegment attraktiv wirkt. Doch der europäische Markt ist kein Selbstläufer. Arbeitsbedingungen, Tarifstrukturen und gesetzliche Vorgaben unterscheiden sich deutlich von denen in China. Zudem genießen etablierte Anbieter großes Vertrauen. Entscheidend dürfte daher sein, ob JD.com den Ceconomy-Deal tatsächlich abschließt. Ohne starke Marken wie MediaMarkt und Saturn im Rücken könnte es schwer werden.
(Quellen: Unternehmensangaben von JD.com, Branchenberichte zum europäischen Paketmarkt)














