Deutschland in der Handwerks-Krise – „Kaum einer hat noch Bock“

In einer Werkhalle eines Handwerksbetriebs, wahrscheinlich eines Tischlers, sind mehrere Menschen zu sehen. Es handelt sich wohl um Auszubildende, die im Betrieb ihrer Ausbildung ihrer Arbeit nachgehen.
Symbolbild © istockphoto/monkeybusinessimages

Die Betriebe haben bereits im letzten Jahr auf den Missstand hingewiesen. Doch es zeigt sich: Deutschland steckt mitten in der Handwerks-Krise. Denn kaum jemand hat noch Lust auf diese wichtigen Jobs.

Aktuelle Zahlen zeigen: Deutschland befindet sich mitten in der Handwerks-Krise. Und diese soll noch weiter andauern, denn einige Faktoren zeigen, dass es nicht besonders gut um das Handwerk steht.

Tausende Stellen unbesetzt: Immer mehr Betriebe geben auf

Bereits im letzten Jahr sind beispielsweise Fleischereien einen recht ungewöhnlichen Weg gegangen. Sie ließen Auszubildende aus Indien kommen, denn sie konnten unter den jungen Menschen in Deutschland einfach niemanden finden, der den Beruf erlernen wollte. Experten sehen darin ein Problem, das sich in den kommenden Jahren wohl eher noch verschärfen dürfte. Denn die Boomer-Generation geht in diesem Jahr und in den nächsten in Rente. Dem stehen weniger junge Menschen gegenüber. Da viele kleinere Handwerksbetriebe keinen Nachfolger finden, geben sie auf. Somit stirbt mit einem Meister, der in Rente geht, ein weiterer Betrieb aus.

„Einfach kein Interesse“: Verbände fordern die Politik zum Handeln auf

Zusätzlich zum Fachkräftemangel kommen noch andere bürokratische Hindernisse, die den Handwerksbetrieben eine Fortführung deutlich erschweren. Neben Vermögens- und Erbschaftssteuer seien die hohen Fixkosten ein weiteres Problem. Deshalb fordern die Handwerksverbände die Politik auf, endlich zu handeln. Dabei gehe es nicht nur darum, die Vermögens- und Erbschaftssteuer nicht zu erhöhen, sondern auch darum, die Betriebe auf andere Weise zu unterstützen.

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Viele junge Menschen haben kein Interesse daran, sich frühzeitig festzulegen. Sie denken, wenn sie eine Ausbildung wählen, würden sie diesen Beruf ein Leben lang auswählen. Deshalb müssten Betriebe kreativ werden, wenn sie die entsprechenden Stellen besetzen wollen. Laut Statistiken seien schätzungsweise 200.000 Stellen im Handwerk offen. Knapp 120.000 davon seien bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Während sich damals Auszubildende bei den Betrieben beworben haben, sei dies heute andersherum. Deshalb lockt so mancher Handwerksmeister mit zusätzlichen Vergünstigungen wie einer Ausbildung in Teilzeit, einem Zuschuss zum Führerschein oder einem kostenlosen Abo fürs Fitnessstudio. Morgen treffen sich einige der Handwerksverbände mit Bundeskanzler Merz, um ihm die problematische Situation noch einmal darzulegen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa)