Deutschland verliert Impfstoff-Werk: Produktion geht nach Kanada

Eine nicht zu erkennende Person trägt blaue Plastikhandschuhe und verabreicht einer anderen nicht zu erkennenden Frau eine Spritze mitImpfstoff in dem rechten Oberarm.
Symbolbild © istockphoto/Drs Producoes

Deutschland erleidet wirtschaftlich gerade den nächsten Tiefschlag, denn das Land verliert ein Impfstoff-Werk. Dieses wandert nämlich nach Kanada ab. Dies bedeutet einen weiteren herben Verlust.

Keine leicht zu verdauende Nachricht muss Deutschland hinnehmen, denn es verliert ein Impfstoff-Werk an Kanada. Dorthin wandert nämlich die Produktion ab. Ein Traditionsunternehmen verlässt Deutschland.

Ein Traditionsunternehmen in Deutschland: Über 100 Jahre Unternehmensgeschichte

Der „Odol-König“ Karl August Lingner, der mit dem Mundwasser einen Nerv traf, legte 1911 mit der Gründung des Sächsischen Serumwerks den Grundstein für die medizinische Forschung und Impfstoffproduktion in Dresden. Nach der Verstaatlichung zu DDR-Zeiten übernahm der britische Konzern SmithKline Beecham (heute GSK) das Werk im Jahr 1992. Bis heute werden dort im großen Stil Grippe- und Hepatitis-Impfstoffe hergestellt. Dies waren zuletzt rund zwei Millionen Impfdosen pro Woche.

Nun hat der Pharmakonzern GlaxoSmithKline angekündigt, das traditionsreiche Impfstoffwerk in Dresden bis zum Sommer 2028 vollständig zu schließen. Die Schließung betrifft knapp 650 hochqualifizierte Mitarbeiter und markiert das Ende einer langen Tradition.

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Die verbleibende Produktion soll an den Standort Stey-Fo in Kanada verlagert werden. Damit steht dieser geschichtsträchtige Standort nach rund 115 Jahren vor dem Aus. GSK begründet den Schritt mit einer weltweit rückläufigen Nachfrage nach klassischen Grippeimpfstoffen sowie erheblichen globalen Überkapazitäten. Die Belegschaft des Dresdner Impfstoffwerks hat unmittelbar nach der Ankündigung der Schließung durch den Mutterkonzern GSK erheblichen Widerstand angekündigt. Angeführt vom Betriebsrat und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (kurz: IGBCE) setzt die Belegschaft auf eine mehrteilige Strategie.

Der Betriebsratsvorsitzende Peter Mißbach stellte nach einer emotionalen Betriebsversammlung klar, dass die Beschäftigten die Abwicklung des traditionsreichen Standorts nicht kampflos akzeptieren und geschlossen für ihre Arbeitsplätze streiten werden. Die Belegschaft verweist darauf, dass sie in der Vergangenheit bereits Einschnitte wie den freiwilligen Verzicht auf Arbeitszeit ohne Lohnausgleich hingenommen hat, um den Standort abzusichern und rentabel zu halten. Da die Schließung mitten in eine europäische Debatte über die pharmazeutische Souveränität und Versorgungssicherheit fällt, baut die IGBCE massiven politischen Druck auf.

(Quellen: GSK, IG BCE)