
Die Debatten innerhalb der schwarz-roten Koalition gehen weiter. Finanzminister Lars Klingbeil regte jüngst eine Diskussion über einen bestimmten Steuervorteil an. Ginge es nach Klingbeil, würde die Bundesregierung diesen bald streichen.
Einmal mehr ist sich die Bundesregierung uneins, wenn es um das Thema Steuern geht. Was nach außen wie ein großer Vorteil aussieht, birgt nämlich auch Gefahren. Nun diskutiert ganz Deutschland.
Ein Steuervorteil, von dem viele profitieren
1958 führte die Bundesregierung nach US-amerikanischem Vorbild das sogenannte Ehegattensplitting ein. Damit sollte in gewisser Weise finanzielle Gleichberechtigung sichergestellt sein. Bei diesem Verfahren nimmt das Finanzamt beide Einkommen eines Ehepaars zusammen und halbiert die Summe dann. Anschließend kommt auf jede Hälfte des Einkommens die jeweilige Einkommenssteuer, die am Ende wieder addiert wird. Dies rentiert sich vordergründig bei extrem unterschiedlichen Einkommensniveaus, da die Steuerlast insgesamt deutlich geringer ausfallen kann.
Verdient Partner A beispielsweise 40.000 Euro im Jahr, liegt die Einkommenssteuer bei etwa 8.177 Euro. Partner B muss bei einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro immerhin auch 2.138 Euro versteuern. Bei einer Einzelveranlagung beträgt die Steuerlast somit 10.315 Euro. Beim Ehegattensplitting würden beide Einkommen zusammengerechnet: Das Paar hat insgesamt 60.000 Euro verdient, gesplittet jeder 30.000 Euro. Bei diesem Betrag liegt die Einkommenssteuer bei 4.951 Euro – summa summarum also 9.902 Euro. Das Ehepaar hat demnach 413 Euro gespart. Es gilt die Faustregel: Je größer der Einkommensunterschied, desto höher die steuerliche Entlastung.
Finanzminister will den Steuervorteil streichen
Genau dort sieht SPD-Politiker Lars Klingbeil jedoch das Problem und viele Menschen stimmen ihm zu. Dieser Vorteil wirke sich in mehreren Hinsichten auf die deutsche Wirtschaft aus. Zuvorderst halte es Geringverdiener oder komplett Erwerbslose – meist Frauen – in ebendieser Falle fest. Der Anreiz des Steuervorteils sei schlicht zu groß, um in Vollzeit arbeiten zu gehen und so das Einkommensniveau des Partners zu erreichen. Das wiederum fördere das Problem des Fachkräftemangels, bemängeln auch das Institut der deutschen Wirtschaft und die Bertelsmann Stiftung. Letztere gab mit einer Studie indes den Anstoß für die Aussagen des Finanzministers. Klingbeil wolle das Ehegattensplitting jedoch vorerst für künftige Eheleute streichen. Bereits geschlossene Ehen sollen von diesem Vorhaben geschützt sein. Ohnehin könne ein derartiges Gesetz nur schrittweise eingeführt werden.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Bertelsmann Stiftung, MDR, BR)














