Digitaler Euro soll kommen – Bürger haben Angst um ihr Bargeld

Eine Animation von einem futuristisch dargestellten grünen 100-Euro-Schein, der von grünen, leuchtenden Datenströmen umgeben ist und digitale Finanztechnologie symbolisieren soll.
Symbolbild © istockphoto/dem10

Der digitale Euro soll Europas Zahlungsverkehr revolutionieren und die Menschen unabhängiger von US-Konzernen machen. Doch viele Bürger fürchten um ihr Bargeld – und reagieren mit großer Skepsis auf die Pläne.

In Brüssel wird ein neues Kapitel des Bezahlens aufgeschlagen – und viele Bürger reagieren mit Skepsis und Sorge.

Brüssel plant die Zukunft des Bezahlens

Ein leiser Begriff sorgt derzeit für laute Debatten: der digitale Euro. Kürzlich haben sich die EU-Finanzminister auf seine Einführung geeinigt. Nach außen klingt das technisch und trocken, doch die Reaktionen in der Bevölkerung sind emotional. Viele Menschen fragen sich: Wird unser Bargeld bald abgeschafft?

Die Sorge ist groß, denn Bargeld bedeutet für viele Freiheit, Kontrolle und Anonymität. Doch ein genauer Blick auf die Pläne zeigt: Ganz so dramatisch ist es nicht. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sprach nach der Einigung von einem wichtigen Meilenstein. Der digitale Euro soll vorrangig eines leisten: Europa unabhängiger machen. Gerade jetzt, wo der Euro weiter wächst: In zwanzig der 27 EU-Staaten ist er bereits offizielle Währung. Am 1. Januar kommt Bulgarien als 21. Land hinzu. Doch aktuell läuft ein Großteil des digitalen Zahlungsverkehrs über US-Konzerne wie PayPal, Visa oder Mastercard. Millionen Europäer nutzen diese Dienste täglich – und machen sich damit abhängig von außereuropäischen Anbietern.

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Bargeld-Aus? Was wirklich geplant ist

Genau hier setzt der digitale Euro an. Er soll eine europäische Alternative bieten. Herausgegeben wird er von der Europäischen Zentralbank. Bezahlen soll man künftig per Smartphone oder mit einer speziellen Karte. Wichtig: Es handelt sich weiterhin um den Euro, den Verbraucher kennen – nur in digitaler Form, mit neuer Infrastruktur. Die Angst vor dem Bargeld-Aus versuchen die Verantwortlichen zu zerstreuen. Schon vor Monaten wurde klargestellt: Bargeld soll nicht abgeschafft werden. Der digitale Euro ist als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz. Wer bar zahlen will, soll das weiterhin tun können.

Dennoch zeigt der Blick auf die Zahlen einen klaren Trend. Laut einer Studie des Euro-Handelsinstituts (EHI) wurden 2024 bereits 63,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes – insgesamt 495 Milliarden Euro – mit Karte bezahlt. Bargeld machte nur noch 36,5 Prozent aus. So wenig wie nie zuvor. Währenddessen startet mit Wero zwar ein neuer europäischer Bezahldienst im Onlinehandel, doch bislang beteiligen sich Banken aus nur fünf EU-Ländern. Die Konkurrenz ist hart. Bis der digitale Euro tatsächlich kommt, wird es ohnehin dauern. Experten rechnen frühestens ab 2029 mit einer Nutzung. Bis dahin bleibt Bargeld – zumindest offiziell – ein fester Bestandteil unseres Alltags.

(Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsches Kreditinstitut)