Dunkle Wolken: Deutsche Kult-Fabrik nach 300 Jahren insolvent

Die Luftaufnahme einer großen Fabrikanlage. Mehrere grüne Bäume sind zu sehen. Dazwischen mehrere Fabrikhallen. Im Hintergrund sieht man einzelne Windräder.
Symbolbild © imago/Kirchner-Media

Die Pleitewelle hat ein weiteres Opfer gefunden: Nach 300 Jahren ist eine weitere deutsche Kult-Fabrik insolvent. Die Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Die Menschen in der Region zeigen große Betroffenheit.

Nach 300 Jahren Geschichte musste eine deutsche Kult-Fabrik Insolvenz anmelden. Der Schritt war unumgänglich und versetzt die Region in große Anteilnahme.

Durchwachsene Geschichte: Kult-Fabrik hat 300 Jahre allen Herausforderungen getrotzt

Im Jahr 1737 in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz gegründet, kann die deutsche Kult-Fabrik auf eine lange Geschichte zurückblicken. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte konnte sich diese als eine der bedeutendsten Hersteller in Deutschland etablieren. Noch vor Beginn der 2000er Jahre hat sich das Unternehmen mit anderen Fabriken aus der Branche zusammengeschlossen. Danach sollte es jedoch nicht mehr so reibungslos weitergehen. Die erste Insolvenzwelle kündigte sich bereits an, sodass 2020 das erste offizielle Insolvenzverfahren über das Vermögen des Traditionsunternehmens eröffnet wurde. Die Rettung erfolgte 2021 durch eine Übernahme und eine Neugründung sowie durch einige strukturelle Entscheidungen. Fünf Jahre später folgt nun die nächste Insolvenz.

300 Jahre Geschichte ist deutsche Kult-Fabrik insolvent – So soll es weitergehen

Am 24. Juni dieses Jahres musste die Schleipen Paper GmbH nun erneut Insolvenz anmelden. Das zuständige Amtsgericht in Baden-Baden hat nun das Insolvenzverfahren eröffnet und einen Insolvenzverwalter bestellt. Betroffen von der Insolvenz sind ca. 73 Mitarbeiter. Für die nächsten drei Monate sind ihre Gehälter und Löhne jedoch durch das Insolvenzgeld gesichert. Auch der Geschäftsbetrieb läuft wie gewohnt weiter, heißt es. Zeitgleich prüft man, ob eine Sanierung des Traditionsstandortes sinnvoll und möglich ist.

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Da die Papierherstellung zu einer der energieintensivsten Branchen überhaupt gehört, leidet die Schleipen Paper GmbH massiv unter den anhaltend hohen Energiekosten. Zudem fehlten kontinuierlich neue Bestellungen für grafische Spezialpapiere im Buchdruck. Dieser Markt wird ohnehin von wenigen Großunternehmen dominiert. Aufgrund des Auftragsmangels stand die große Produktionsmaschine in Bad Dürkheim bereits seit Anfang Juni komplett still. Lediglich Verarbeitungsleistungen wie das Zuschneiden und Falzen liefen noch gut weiter. Schleipen ist eng mit der Muttergesellschaft, der LENK-Gruppe, verwoben. Das Werk stand in starker Abhängigkeit zu den Aufträgen, die die Gruppe vermittelte, welche aufgrund der allgemeinen Branchenkrise jedoch ausblieben. Die zuvor durchgeführten Maßnahmen, um eine Insolvenz abzuwenden, griffen nicht. Dazu gehörte beispielsweise, die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken.

(Quellen: BSK Berbuer Speier Kuhn, EUWID Papier und Zellstoff, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)