
Alte Regeln, aber neuer Ärger: Millionen Deutsche sollen bald mehr Steuern zahlen. Eine Steuerpraxis aus den 50ern wird heiß diskutiert – und könnte Familien zukünftig kräftig belasten.
Millionen Deutsche sollen bald tiefer in die Tasche greifen. Eine alte Steuerregelung wird zum Streitpunkt – und könnte radikal verändert werden.
Alte Regelung, aber neuer Zoff
Millionen Bürger in Deutschland müssen sich womöglich auf höhere Steuerzahlungen einstellen. Der Grund: Eine fast siebzig Jahre alte Regelung, die eigentlich als Fortschritt gefeiert wurde, steht plötzlich auf der Kippe. Was damals als modernes Modell zum Schutz von Familien galt, wirkt heute auf viele wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Das Prinzip des sogenannten Ehegattensplittings ist schnell erklärt: Ehepaare addieren ihre Einkommen, halbieren die Summe und zahlen auf diesen Betrag Steuern. Anschließend wird verdoppelt – fertig. Klingt harmlos, kann aber bei ungleichen Gehältern mehrere Tausend Euro Unterschied machen. Paare, bei denen einer sehr viel und der andere sehr wenig verdient, sparen besonders kräftig. Experten sprechen von Vorteilen bis zu 20.000 Euro pro Jahr – allerdings nur für echte Spitzenverdiener.
Während die Union das System weiter verteidigt, will die SPD jetzt ernst machen: Schluss mit der Bevorzugung klassischer Alleinverdiener-Ehen, fordert die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Wiebke Esdar. Sie betont, dass das Modell negative Erwerbsanreize für Frauen setze – mit Folgen für Rente, Gehalt und Karriere. Angesichts des massiven Fachkräftemangels kann Deutschland es sich schlicht nicht mehr leisten, auf weibliche Arbeitskraft zu verzichten.
SPD gegen Union – und Millionen zahlen die Zeche
Die Union sieht das komplett anders. CDU und CSU sprechen von einer bewährten Familienförderung. Studien liefern den Reformbefürwortern allerdings reichlich Munition: Würde auf ein System mit individueller Besteuerung umgestellt, könnten Frauen ihre Arbeitsmarktbeteiligung um 2,4 Prozentpunkte steigern. Bei den Männern würde sie hingegen nur um 0,3 Prozentpunkte zurückgehen.
Das Ehegattensplitting, eingeführt 1958, blieb bis heute praktisch unverändert. Schon mehrere Regierungen versuchten, den Steuervorteil zu begrenzen – bisher erfolglos. Nun aber steht die Reform wieder auf der politischen Agenda. Klar ist: Wer bisher profitiert hat, muss künftig womöglich mehr zahlen. Ob es am Ende wirklich zu einer radikalen Abschaffung kommt, entscheidet sich in der kommenden Zeit. Sicher ist nur eines: Für viele Haushalte könnte es bald deutlich teurer werden.














