
Dieser Experte fordert einen radikalen Umbau: KI soll die deutsche Bürokratie nahezu komplett ersetzen. Entscheidungen würden dann in Sekunden fallen statt in Wochen. Sein Vorstoß trifft einen wunden Punkt der Verwaltung.
Schluss mit Papierkrieg und Wartezeiten: Ein Experte will Bürokratie durch KI automatisieren – und zwar fast vollständig.
Turbo: Binnen Sekunden entschieden – statt wochenlang warten
Genehmigungen, Anträge, Verwaltungsakte: Alles könne der Computer erledigen, so die provokante These von TV-Investor Carsten Maschmeyer. Denn bei den meisten Vorgängen gehe es schlicht darum, Regeln einzuhalten und Kästchen abzuhaken. Kreativität sei dabei nicht gefragt. Das Ergebnis wäre beeindruckend, denn Entscheidungen würden dann in Sekunden fallen, und nicht erst nach Wochen oder Monaten. Deutschland könnte damit international wieder Vorreiter werden, so Maschmeyer. Nur Sonderfälle, die Empathie oder Ermessensspielräume erfordern, sollten weiterhin von Menschen bearbeitet werden.
Wenn der Experte von Bürokratie und KI spricht, geht es auch ums Geld
Der Vorstoß hat zudem auch eine finanzielle Dimension. Denn deutlich weniger Mitarbeiter in den Behörden würden langfristig die Pensionslasten senken. Maschmeyer betont allerdings, dass es ihm hier nicht um riesigen Stellenabbau gehe. Der Altersdurchschnitt in der Verwaltung sei ohnehin hoch, der Umbau könne schrittweise erfolgen. Rechtsstaatliche Sicherungen wie Widerspruchsrecht und gerichtliche Überprüfung müssten selbstverständlich erhalten bleiben. Und tatsächlich trifft der Unternehmer einen wunden Punkt: Laut Statistischem Bundesamt scheidet bis 2035 rund ein Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst altersbedingt aus. Kommunen befürchten bereits jetzt Tausende unbesetzte Stellen in Bauämtern und Sozialverwaltungen. Die Frage ist laut des Experten also längst nicht mehr, ob Bürokratie durch KI ersetzt werden kann, sondern wie weit sie gehen wird.
Algorithmen als Beamte: Für viele Bürger eine unheimliche Vorstellung
Doch nicht allen ist Maschmeyers Vision geheuer. Manche Menschen finden den Gedanken ab einem gewissen Grad unheimlich, dass Algorithmen über Anträge, Fördergelder oder Genehmigungen entscheiden sollen. Datenschutzbedenken, fehlende IT-Standards und die Sorge vor intransparenten Entscheidungen bremsen solche Vorhaben bislang aus.
Und rechtlich heikle Ermessensentscheidungen dürften Algorithmen ohnehin kaum vollständig übernehmen können. Maschmeyers radikale Forderung ist daher weniger konkreter Umsetzungsplan als Provokation gegen den Status quo – eine, die aber einen Nerv trifft.
(Quellen: Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung, Stellungnahmen von Digitalexperten zur Verwaltungsmodernisierung)














