Erste Infektion: Seltenes Rattenvirus in Deutschland ausgebrochen

Eine braun-graue Ratte, die seitlich auf einer zerfransten, weißen Verpackung sitzt. Sie wirkt aufmerksam, hat dunkle Augen und feine Schnurrhaare.
Symbolbild © imago/Arnulf Hettrich

Ein mysteriöser Fall sorgt für Aufsehen: Ein Rattenvirus in Deutschland infiziert einen Menschen – und Experten warnen, dass der überraschende Erreger weit gefährlicher sein könnte als bislang vermutet.

Eine mysteriöse Krankheit bei einem Berliner Patienten sorgt für Aufsehen. Forscher decken eine überraschende Ursache auf – und warnen vor neuen Risiken.

Ein unbekannter Eindringling

Ein Mann zwischen fünfzig und sechzig Jahren wurde in Deutschland von einem Erreger infiziert, den bislang kaum jemand auf dem Radar hatte. Die Symptome wirkten zunächst unspektakulär: erhöhte Leberwerte – ein typisches Anzeichen einer Hepatitis. Doch als Wissenschaftler später die Probe erneut untersuchten, stießen sie auf etwas völlig Unerwartetes. Man analysierte über 3.000 Blutproben immungeschwächter Patienten aus den Jahren 2022 bis 2024, und eine stach heraus. Das Virus war keine gewöhnliche Hepatitis-Variante. Es ähnelte stark einem Erreger, den man zuvor bei wild lebenden Ratten in Berlin fand.

Damit ist erstmals hierzulande ein Fall des sogenannten Ratten-Hepatitis-E-Virus nachgewiesen worden. Wie der Mann sich angesteckt haben könnte, bleibt rätselhaft. Sicher ist nur: Rund sechs Wochen nach der Diagnose normalisierten sich seine Leberwerte und ein Jahr später war der Test wieder negativ.

Experten warnen vor neuem Risiko

Die Erkenntnisse legen nahe, dass man Ratten-Hepatitis künftig als potenziellen zoonotischen Erreger – also als Krankheitserreger, der vom Tier auf den Menschen überspringt – ernst nehmen muss. Viele Infektionen mit Hepatitis E verlaufen zwar mild, doch besonders immungeschwächte Menschen können chronische Schäden entwickeln. Eine Impfung gegen Hepatitis E gibt es in Deutschland bislang nicht. Mit der üblichen Hepatitis-E-Variante infizieren sich Menschen meist durch unzureichend erhitztes Schweine- oder Wildfleisch – es gibt rund 4.000 Fälle jährlich. Den weltweit ersten Ratten-Hepatitis-Fall beim Menschen dokumentierte man 2018 in Hongkong.

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Europa hat aktuell zudem mit Hepatitis-A-Ausbrüchen zu kämpfen – etwa in Prag, Mittelböhmen und Karlsbad. Jedes Jahr sterben weltweit rund 1,34 Millionen Menschen an den Folgen einer Virushepatitis. Zudem sind die Formen vielfältig: Hepatitis A wird durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen und heilt oft ohne Spätfolgen aus. Die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit ist Hepatitis B. Sie wird über Körpersäfte übertragen und kann durch eine Impfung verhindert werden. Hepatitis C, ebenfalls über Körpersäfte übertragbar, ist zwar nicht impfbar, lässt sich aber seit 2014 in den meisten Fällen heilen. Hepatitis D gilt als die gefährlichste Form. Sie tritt gemeinsam mit Hepatitis B auf, weshalb die Hepatitis-B-Impfung doppelt schützt.

(Quellen: LGL Bayern, RKI)