Erster Fall: Mensch hat sich mit gefährlichem Tier-Virus infiziert

Ein Krankenwagen auf der Straße. Die Sanitäter fahren das große zum Ort des Notfalls. Die Ambulanz hat das Blaulicht eingeschaltet, um möglichst schnell zum Unfallort zu gelangen.
Symbolbild © istockphoto/Michael Derrer Fuchs

Die Barriere ist gefallen: Denn erstmals springt das gefährliche Tier-Virus auf den Menschen über. Die Angst vor einer neuen Pandemie ist jetzt überall unglaublich präsent.

Ein Mann im Krankenhaus, ein Virus im Wandel. Der erste Fall einer Mensch-Infektion mit einem bislang reinen Tier-Virus stellt die Wissenschaft vor neue Fragen.

Der erste Fall weltweit: Ein Geflügelhalter im Krankenhaus

Eigentlich dachten alle, dass das Virus ausschließlich Tiere befällt. Doch da hat man sich wohl geirrt. Denn nun ist ein erster Fall dokumentiert, bei dem sich ein Mensch mit dem Vogelgrippe-Subtyp H5N5 infiziert hat. Der ältere Mann musste mit Grippesymptomen ins Krankenhaus. Tests bestätigten die Infektion mit dem Erreger, der zuvor ausschließlich bei Tieren nachgewiesen worden war. Nach Angaben des zuständigen Gesundheitsministeriums handelt es sich bei dem Patienten um einen Geflügelhalter, dessen Tiere Kontakt zu Wildvögeln hatten. Der Mann, der unter Vorerkrankungen leidet, wird stationär behandelt.

Gesundheitsbehörden auf beiden Seiten des Atlantiks geben jedoch vorerst Entwarnung. Sowohl die Seuchenbehörde der USA, aus der der betroffene Mann stammt, als auch das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut stufen das Risiko für die Allgemeinheit weiterhin als gering ein. Die Experten betonen, dass der nachgewiesene H5N5-Stamm dem bereits bekannten und zirkulierenden Typ 2.3.4.4b zuzuordnen sei. Seit vielen Monaten komme dieser Subtyp in Wildvogelpopulationen Nordamerikas und Nordeuropas vor, auch in Deutschland gab es Nachweise. Daher geht man davon aus, dass die erste Infektion des Tier-Virus’ beim Menschen keine drastische Veränderung der Lage darstellt.

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Bewertung der Experten: Bislang ist die Grenze zur Pandemie noch nicht überschritten

Der jetzt betroffene Subtyp H5N5 ist ein enger Verwandter des bekannteren und aggressiveren Vogelgrippevirus H5N1. Beide gehören zur gleichen Familie, aber H5N5 tritt insgesamt seltener auf. Entscheidend für die Risikobewertung ist, dass es sich bei dem nachgewiesenen Erreger um die bereits weit verbreitete Variante 2.3.4.4b handelt. Dieser Virustyp zirkuliert seit über zwei Jahren in Wildvögeln. Dass er nun in einem Einzelfall auf einen Menschen mit direktem Tierkontakt übergesprungen ist, beunruhigt die Wissenschaft, stellt aber nach aktuellem Wissen keine grundlegend neue Lage der Bedrohung dar.

Die größte dokumentierte Vogelgrippewelle wird weiterhin vom Subtyp H5N1 getrieben. Für alle diese aviären Influenzaviren gilt: Der Mensch kann sich zwar in seltenen Einzelfällen vom Tier infizieren, insbesondere bei engem Kontakt zu infiziertem Geflügel. Eine anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch – die Voraussetzung für eine Pandemie – ist bislang jedoch noch nicht gegeben. Die Gesundheitsbehörden weltweit überwachen die Entwicklung dennoch weiterhin intensiv.

(Quellen: Friedrich-Löffler-Institut, RKI)