Erzieher und Lehrer erhalten ab sofort Impftermine in Baden-Württemberg

Symbolbild

Karlsruhe-Insider (dpa/lsw) – In Baden-Württemberg können sich Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte ab sofort gegen das Coronavirus impfen lassen – wenn sie einen Termin ergattern.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) erklärte am Tag der Wiedereröffnung von Kitas und Grundschulen, die Impfungen dieser Berufsgruppen würden vorgezogen.

Man wolle nun nicht mehr abwarten, bis die Corona-Impfordnung geändert wird, sondern sofort mit dem Impfen loslegen. Allerdings gab es am Montag noch Probleme bei der Terminvergabe. Die Opposition im Landtag hielt dem Grünen-Politiker vor, er habe mal wieder Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen könne.

Das Gesundheitsministerium erläuterte, die 500 Mitarbeiter der Hotline 116 117 seien Sonntagabend und am Montagmorgen über die Änderung informiert worden. Wenn hier Interessenten abgewiesen worden seien, könne das höchstens in den ersten Stunden gewesen sein.

SPD-Partei- und -Fraktionschef Andreas Stoch verglich den Beginn dieser Impfkampagne mit dem allgemeinen Impf-Start. «Wie schon für tausende impfberechtige Seniorinnen und Senioren in den vergangenen Wochen heißt es deshalb heute für Lehrkräfte und das Kita-Personal: Telefon-Frust pur. Sie werden über die Impfhotline abgewiesen und kommen ihrer Impfung auch über die Internetplattform keinen Schritt näher.» Dies führe dazu, dass die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen immer weiter nachlasse. «Der Gesundheitsminister darf nicht weiter für die Krisenkoordination des Landes verantwortlich sein.»

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Auch die FDP vermutet, Lucha habe vorschnell einen Erfolg verkünden wollen, dessen Umsetzung noch gar nicht gesichert sei. Wenn dies so sei, «dann übersteigt die Serie der Pannen und Fehlinformationen so langsam das Maß des Erträglichen», erklärte FDP-Gesundheitsexperte Jochen Haußmann.

Lucha hatte bereits am Samstag erklärt, dass die Impfungen von Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräften vorgezogen würden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollten an diesem Montag endgültig entscheiden, dass Lehrkräfte künftig in die zweite
Priorisierungsstufe eingruppiert werden. Dann müsste noch die Corona-Impfverordnung geändert werden.

Möglich wird die frühere Impfung von Erziehern und Lehrerinnen demnach vor allem durch die breite Verfügbarkeit des Impfstoffs von Astrazeneca. Dieser werde nun auch in den Impfzentren des Landes verwendet, sagte Lucha. Baden-Württemberg soll bis Mitte März rund 450 000 Dosen geliefert bekommen. Dadurch soll im Südwesten zudem ab sofort auch jeder Impfberechtigte aus der ersten Prioritätsstufe einen Impftermin angeboten bekommen.

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Eine Sprecherin von Lucha erklärte, die 450 000 Dosen sollen vor allem für die Erstimpfung verwendet werden. Im Südwesten gibt es etwa 140 000 Lehrerinnen und Lehrer und knapp 66 000 Erzieherinnen und Erzieher. Hinzu kommen nochmal fast 35 000 Beschäftigte in den Kitas, die Einrichtungen leiten oder in der Verwaltung tätig sind.

Die Zweitimpfung solle bei Astrazeneca frühestens nach neun Wochen erfolgen. Der Impfstoff von Astrazeneca wird in Deutschland zurzeit nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren verabreicht – es fehlen Daten zur Wirkung bei Älteren. Deshalb bekommen bisher die Beschäftigten in Pflegeheimen oder Intensivstationen in dieser Altersgruppe nun vorrangig dieses Vakzin geimpft. Die Vorbehalte gegen das Präparat sind aus Sicht von Wissenschaftlern unbegründet.

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Kultusministerin Susanne Eisenmann begrüßte es, dass Erzieherinnen und Lehrkräfte nun vorrangig geimpft werden. Sie erfüllten eine «zentrale gesellschaftliche Aufgabe», weshalb diese Maßnahme sinnvoll sei, teilte die CDU-Politikerin mit. «Eine vorzeitige Impfung ist
auch wichtig im Hinblick auf eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht, der für die Schülerinnen und Schüler von enormer Bedeutung ist.»