
Experten schlagen nach jahrelanger Beobachtung Alarm. Nach ihrer Einschätzung werden die Gymnasien in Deutschland immer mehr zu Hauptschulen. Dies sei jedoch nicht der Sinn und würde viele Kinder und Jugendliche fehlleiten.
Die Gymnasien in Deutschland werden immer mehr zu Hauptschulen. Mit diesem Satz dürften viele Eltern hierzulande nicht einverstanden sein, denn sie wollen den besten Bildungsweg für ihr Kind.
Entscheidung nach der 4. Klasse: Eltern gegen Empfehlungsschreiben
Als die Millennials noch zur Schule gingen, fiel die Entscheidung, auf welche weiterführende Schule es gehen soll, erst nach der sechsten Klasse. Inzwischen steht diese Entscheidung bereits nach der vierten Klasse an. Nach vier Jahren an der Grundschule stellen die Lehrer ein Empfehlungsschreiben aus, an dem die Eltern sich orientieren können – oder sollen. Denn die Erziehungsberechtigten – dies zeigen die derzeitigen Schulabgänger – legen immer noch sehr viel Wert darauf, dass ihre Kinder das Abitur machen und danach studieren können. Noch immer gilt die akademische Laufbahn hierzulande als Garant für eine erfolgreiche Zukunft. Doch mit dem Empfehlungsschreiben gibt es laut Experten gleich zwei Probleme.
Gymnasien: „Eltern tun den Kindern keinen Gefallen mit dieser Entscheidung“
Zum einen stellen die Lehrer immer mehr Empfehlungen fürs Gymnasium aus. Lag die Quote 2001 noch bei ca. einem Drittel, während die anderen beiden Drittel jeweils auf die Haupt- und Realschule fielen, liegt der Prozentsatz heute deutlich höher. Denn laut Experten sanken die Zulassungsvoraussetzungen fürs Gymnasium deutlich. Zum anderen folgen die Eltern diesen Schreiben oftmals nicht und melden ihr Kind trotzdem auf dem Gymnasium an.
Diese quasi nicht mehr vorhandenen Hürden würden nicht nur dazu führen, dass immer mehr Kinder das Gymnasium besuchen und man daher den Eindruck bekomme, dass Deutschland mehr Akademiker benötige. Auch das Niveau an den Gymnasien würde laut Experten deutlich herabsinken. Die Kinder und Jugendlichen würden eher den Stoff aus den Hauptschulen lernen. Da dadurch auch die Zeugnisse besser ausfallen, kämen viele auf die Idee, dass die Abiturienten in Deutschland generell intelligenter wären. Das ist jedoch nicht der Fall, warnen die Experten. Man stelle den Kindern Zeugnisse aus, die ihnen vorgaukeln, dass sie mehr könnten, als dies tatsächlich der Fall ist. Fachleute plädieren deshalb dafür, auch Menschen aus dem Handwerk und anderen Branchen zu Wort kommen zu lassen, die Eltern und Kinder informieren. Wer es nach der vierten Klasse nicht aufs Gymnasium schaffe, könne aufgrund des durchlässigen Schulsystems letztendlich doch ein Gymnasium oder eine Fachhochschule besuchen.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Statistisches Bundesamt, Bildungsbericht, Hans-Böckler-Stiftung, Josef Kraus)














