Fast 300 Euro: Bürger zahlen Gebühren für Rettungswageneinsatz

Mehrere Einsatzfahrzeuge von Polizei und Rettungsdienst in einer Straße. Ein großer Rettungswagen sowie ein Notarztfahrzeug stehen am rechten Straßenrand, dahinter mehrere Polizeiwagen.
Symbolbild Foto: Thomas Riedel

Ab 2026 könnten Patienten im Notfall zur Kasse gebeten werden. Hohe Gebühren für den Rettungswageneinsatz drohen, selbst wenn jede Minute zählt und die Hilfe lebensrettend ist.

In einer deutschen Großstadt droht Bürgern bald eine saftige Rechnung – ausgerechnet dann, wenn sie dringend Hilfe brauchen.

Fast 300 Euro für den Rettungswagen? – Bürger sollen bald kräftig mitzahlen

Was bislang selbstverständlich war, könnte ab 2026 für viele Menschen zum teuren Problem werden: ein Einsatz des Rettungswagens. Während der Notruf 112 weiterhin kostenlos bleibt, sollen Patienten in Essen künftig selbst in die Tasche greifen. Die Stadt kündigt an, dass Bürger schon bald 267 Euro Eigenanteil für einen Rettungswagentransport zahlen müssen. Auch wer regelmäßig zur Dialyse oder Chemotherapie gebracht wird, soll künftig 62 Euro pro Fahrt beisteuern. Auslöser dafür ist ein Streit zwischen Kommunen und Krankenkassen. Letztere weigern sich, bestimmte Kosten zu übernehmen.

Besonders brisant sind dabei sogenannte Fehlfahrten – Einsätze, bei denen der Rettungswagen zwar ausrückt, der Patient aber vor Ort versorgt werden kann und kein Transport nötig ist. Laut Kommunen betrifft das bis zu ein Viertel aller Alarmierungen. Für diese Einsätze gibt es bislang kein Geld von den Krankenkassen. Und künftig sollen auch Unterdeckungen der Rettungsdienste, also unerwartet höhere Ausgaben, nicht mehr ausgeglichen werden. Die Krankenkassen betonen hingegen, ihnen seien gesetzlich die Hände gebunden. Sie dürften nur Kosten für Versicherte übernehmen, die eindeutig ihrer Verantwortung zuzuordnen seien. Fehlfahrten gehörten nicht dazu – auch wenn sie im Alltag der Rettungsdienste längst Normalität sind.

Lesen Sie auch
Person macht Fund: Haushaltsauflösung bringt Schatz ans Licht

Kommunen schlagen Alarm – und warnen vor gefährlicher Entwicklung

Weil die Verhandlungen feststecken, sehen Städte wie Essen keine Alternative zur Gebühr. Der Städtetag NRW warnt sogar vor einem finanziellen Kollaps. Ohne Beteiligung der Krankenkassen würden Kommunen landesweit auf mindestens 250 Millionen Euro sitzenbleiben. Schon heute kostet ein Notarzteinsatz mit Rettungswagen in Essen rund 1.020 Euro.

Die Kommunen fordern nun die Bundespolitik auf, dringend einzugreifen und die Gesetzeslücken zu schließen. Kritiker warnen: Wer eine hohe Rechnung befürchten muss, könnte im Ernstfall zögern, den Rettungsdienst zu rufen. Während die Rettungsdienste und Kommunen um ihre Finanzierung kämpfen, melden die gesetzlichen Krankenkassen für 2024 ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro. Immerhin: Für 2026 wollen viele Versicherer den Zusatzbeitragsstand jetzt stabil halten. Doch ob das den Ärger um die drohenden Rettungsdienstgebühren mildert, bleibt fraglich.

(Quellen: Gebührenkatalog Stadt Essen, dpa)