Forderung: Atomkraftwerke sollen in Deutschland zurückkommen

Mehrere Menschen schauen gerade zu, wie der Kühlturm eines Atom-Kraftwerkes gesprengt wird. Zuvor hatten die Verantwortlichen den Bereich weiträumig abgesperrt. Die Sprengung des Kernkraftwerkes dauerte nur 30 Sekunden.
Symbolbild © imago/Wolfgang Maria Weber

Bei dieser Nachricht fühlt man sich als Bürger wohl wie im falschen Film. Doch es gibt tatsächlich die Forderung, dass in Deutschland die Atomkraftwerke zurückkommen sollen. Viele halten das für einen schlechten Scherz.

Die Atomkraftwerke sollen in Deutschland zurückkommen. Dies ist zumindest die Forderung einer politischen Partei und nicht etwa die Einzelmeinung einer Person, die Aufmerksamkeit sucht. Ein solcher Rückschritt kann wohl kaum ernst gemeint sein. Oder doch?

Deutschland schafft den Atomausstieg: „Alles andere wäre ein Rückschritt“

2023 war es endlich soweit: Deutschland schafft den Atomausstieg. Am 15. April 2023 wurde das letzte Atomkraftwerk unter großem Jubel abgestellt. Bei den anderen Kraftwerken hat man inzwischen mit dem stufenweisen Rückbau begonnen. Am 25. Oktober letzten Jahres sprengte man im Zuge des Rückbaus die letzten großen Türme des Werks in Gundremmingen. Während sich einige der Presse vor Ort gegenüber melancholisch zeigten, feierten viele andere die Sprengung. Es gab zu diesem Anlass sogar Livebands und ein riesiges Menschen-Aufgebot. Doch nun gibt es tatsächlich eine politische Partei, die zurück ins Atomzeitalter will. Dies besagt zumindest das Partei-Papier.

Atomkraftwerke sollen in Deutschland zurückkommen: Partei will Wiedereinstieg

Vom 6. bis 8. Januar findet die Winterklausurtagung der CSU statt. Ein zentraler Programmpunkt ist dabei die Rückkehr zur Kernenergie. Man wolle zwar nicht zum Status quo der 1970er-Jahre zurück, heißt es. Deutschland sei auf diesem Gebiet jedoch einst Vorreiter gewesen und dürfe sich nicht von neuen Technologien abhängen lassen. Strom aus Kernenergie sei zudem deutlich günstiger als Strom aus alternativen Energiequellen. Andernfalls müsse Deutschland Energie teuer einkaufen, was letztlich nur durch höhere Preise oder Subventionen finanzierbar wäre. Die Forderung stützt sich auf sogenannte Mini-Atommeiler nach kanadischem Vorbild. Demnach solle es künftig auch kein Problem mit Atommüll mehr geben.

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Kritiker sehen dies jedoch anders, weshalb sich die CSU mit dieser Forderung bislang nicht durchsetzen konnte. So sei Strom aus Kernenergie mit rund 49 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer als Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Zudem habe eine Überprüfung des kanadischen Projekts ergeben, dass es sich beim „McMaster Nuclear Reactor“ (MNR) an der McMaster University nicht um einen modernen Reaktor handelt, sondern um einen 66 Jahre alten Forschungsreaktor. Die Forderung der CSU zeigt, dass die Kernenergie weiterhin ein hoch umstrittenes Thema in Deutschland ist.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, CSU, Bundestag)