Forderung: Deutsche sollen noch mehr arbeiten – Kaum Geld übrig

Das Innere des leeren Bundestags mit blauen Sitzen und der Deutschlandflagge sowie der EU-Flagge im Vordergrund ziert auf einer großen Glasfront der Bundesadler.
Symbolbild © istockphoto/Christian Ader

Die Arbeitswelt in Deutschland befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Immer mehr Menschen lehnen die klassische 40-Stunden-Woche ab. Deutsche sollen nun allerdings noch mehr arbeiten.

Viele Beschäftigte klagen über Überlastung, während Experten kritisieren, dass zu wenig gearbeitet wird. Gleichzeitig stagniert oder sinkt in manchen Branchen die tatsächliche Arbeitszeit. Politik und Wirtschaft stehen damit vor der Frage, wie Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden kann.

Arbeitskraftmangel: Deutsche Arbeitswelt gerät unter Druck

Besonders jüngere Generationen legen größeren Wert auf Work-Life-Balance, Selbstbestimmung und Sinnhaftigkeit. Arbeit soll sich in das Leben einfügen, nicht umgekehrt. Zudem haben die Erfahrungen aus der Pandemie gezeigt, dass flexiblere Modelle oft effizienter sind. Teilzeit, Vier-Tage-Woche oder Vertrauensarbeitszeit gelten nicht mehr als Ausnahme, sondern als zeitgemäße Alternativen. Viele Beschäftigte sind bereit, auf Einkommen zu verzichten, wenn sie dafür Zeit gewinnen. Gleichzeitig leidet Deutschland unter einem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. In Pflege, Handwerk, Bildung, IT und Industrie bleiben zahlreiche Stellen vakant, Projekte geraten ins Stocken, und viele Betriebe arbeiten am Limit.

Deutsche sollen noch mehr arbeiten

Der demografische Wandel verschärft die Lage: Immer mehr Menschen gehen in Rente, während weniger junge nachrücken. Der Fachkräftemangel ist längst zu einem Standortfaktor geworden. Ohne ausreichend Personal geraten Wachstum, Innovation und soziale Sicherungssysteme unter Druck. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Arbeit attraktiver zu machen – durch bessere Bedingungen, Qualifizierung und neue Arbeitsmodelle. Ob Deutschland sich zu sehr an kürzere Arbeitszeiten gewöhnt hat, ist nun erneut Gegenstand einer politischen Debatte. Aus Sicht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht fest: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes leidet unter einem zu geringen Arbeitsumfang.

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In öffentlichen Stellungnahmen macht sie klar, dass sie eine deutliche Kurskorrektur für notwendig hält. Reiche setzt dabei auf tiefgreifende Veränderungen im Arbeitsrecht und in der Rentenpolitik. Mehr Arbeitsstunden, ein flexiblerer Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen und ein späteres Ausscheiden aus dem Berufsleben sollen nach ihrer Vorstellung die Wettbewerbsfähigkeit stärken. International sieht die Ministerin Deutschland im Hintertreffen. Im Vergleich zu anderen Industrienationen arbeiten die Menschen hierzulande deutlich weniger, besonders im Vergleich zu den USA, so der Vorwurf.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Statistisches Bundesamt, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)