Freizeitsport: Zwischen ausgleichendem Hobby und athletischen Höchstleistungen

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In unserer Leistungsgesellschaft ist Sport für viele heute wichtiger geworden. Für die einen als notwendiger Ausgleich zum anstrengenden Alltag auf der Arbeit. Für die anderen als (körperliche) Herausforderung, die im Beruf oft fehlt. Modernste Trainingsmethoden, die früher nur bei Profiathleten zum Einsatz kamen finden immer mehr Anhänger auch im Laienbereich. Egal ob als Teil einer gesunden Lebensweise oder einfach nur aus dem Spaß: Noch nie haben sich die Menschen so gerne bei sportlichen Wettkämpfen aneinander gemessen.

In einer Welt, die immer digitaler wird und sich für viele immer mehr online abspielt,
werden reale, „körperliche“ Herausforderungen seltener. Vielleicht ist dies mit einer
der Gründe, weshalb sich viele dazu entscheiden, Freizeitsport auf einem intensiveren
Level zu betreiben. Das regelmäßige Training geht dann oft weit über das übliche
Maß hinaus.

Viele Hobbyathleten haben dabei ein ganz konkretes Ziel vor Augen: In zahlreichen
Disziplinen gibt es heute regionale oder überregionale Wettkämpfe, bei denen sie als
Laiensportler mit antreten und ihre Leistung mit anderen Begeisterten messen
können. Auch in und um Karlsruhe werden inzwischen immer mehr Wettkämpfe und
Wettbewerbe ausgetragen.

Gesundheits- und Fitnessboom

Seit Jahren zeigen die Mitgliederzahlen der Fitnessstudios klar in eine Richtung:
nach oben. In den letzten drei Jahren konnte die Branche einen Zuwachs von rund
einer Million neuer Mitglieder verzeichnen. Darüber hinaus zeigen sich auch die
Mitgliederzahlen bei den verschiedensten Sportvereinen konstant. In einigen kann auch ganz ungebunden trainiert werden. Das Interesse daran, Sport zu treiben, sich mehr zu bewegen und sich fit zu halten scheint so groß wie nie zuvor.

Nicht zuletzt propagieren die Medien in Zusammenhang mit einem gesunden
Lebensstil stets auch jugendliche Menschen in sportlicher Kleidung – beim Laufen,
beim Yoga, beim Workout. Kurz: Fitness ist zum Lifestyle geworden, der derzeit
ganz besonders angesagt ist.

Gleichzeitig gibt es aber auch so viele verschiedene Möglichkeiten, sich sportlich zu
betätigen. Immer neue Trendsportarten versprechen noch effizienteres Training
oder einfach mehr Spaß und Abwechslung beim Sporteln in der Freizeit. Gerade
Fitnessstudios haben sich dabei vom reinen Trainingszentrum zum universellen
Gesundheitsanbieter gewandelt. Neben dem Fachpersonal, das individuell
Hilfestellung gibt und Trainingspläne ausarbeitet, können Kurse zu gesunder
Ernährung oder Gesundheit am Arbeitsplatz besucht werden.

Digitale Helfer im Freizeitsport

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Einen besonderen Einfluss auf die
Entwicklung des Freizeitsports hatte
zudem die Erfindung der sogenannten
Wearables. Die kleinen digitalen Geräte
können dazu eingesetzt werden die
Herzfrequenzen oder den Puls zu
messen, zurückgelegte Strecken und
andere Bewegungsaktivitäten zu
dokumentieren oder Erholungspausen
und den Schlaf zu überwachen. In
dazugehörigen Apps lassen sich die so
gewonnenen Daten auswerten und zu
einem ganz persönlichen Fitnessprofil
zusammensetzen.

Auf diese Weise lässt sich das Training – ähnlich wie im Profisport – heute viel
besser an die individuellen Voraussetzungen und den aktuellen Fitnessstand
anpassen. Anfangs noch reichlich unpräzise, bieten die Wearables inzwischen
zunehmend bessere und genauere Daten und sind dennoch auch für Hobbysportler
erschwinglich. Die moderne Technik kann so auch im privaten Bereich dazu
beitragen, das Training effizienter zu gestalten und die sportliche Leistung zu
steigern.

Darüber hinaus stehen damit erstmals Informationen zur Verfügung, mit denen sich
die eigene Leistung ganz objektiv mit der von Anderen vergleichen lässt. Seien es
die zurückgelegten Kilometer bei der Joggingrunde oder auch die Anzahl der
verbrannten Kalorien, die von der Fitness-App auf Grundlage der sportlichen
Aktivität berechnet wurde. Die eigene Anstrengung und Leistung wird durch die
visuelle Aufbereitung in Graphen oder Statistiken erstmals richtig sichtbar. Dies
stellt für viele eine große Motivation dar, regelmäßig Sport zu treiben und sich
selbst zu steigern oder andere zu übertreffen.

Auch die Geräte in den Fitnessstudios werden immer digitaler. Auch sie können
etwa die Leistungsintensität des jeweils Trainierenden überwachen und
dokumentieren. Zudem gibt es oft die Möglichkeit auch die Bewegungsabläufe zu
analysieren und Vorgaben zur Optimierung geben. Zusammen mit gut qualifiziertem
Personal kann so eine sehr hohe Trainingsqualität erreicht werden. In kaum einem
anderen Land sind die Studios so gut zertifiziert wie in Deutschland. Eine eigene
DINNorm wurde geschaffen, um die Qualität sicherzustellen.

Professionalisierung im Hobbysport

In vielen Fitnessstudios ist zudem die Nachfrage nach Personal Training gestiegen.
Bodybuilding oder Bodyforming hat seinen angestaubten Charakter aus den
Muckibuden der vergangenen Jahrzehnte verloren und ist für viele wieder attraktiv
geworden. Vor allem die jüngeren Generationen möchten sich ganz gezielt ein
Sixpack antrainieren oder andere Körperregionen stärker definieren.

Gleichzeitig beschäftigen sich viele Hobbysportler intensiv damit, wie sie neben
einem effektiven Training ihre Ziele schneller erreichen können. Sie legen Wert
darauf, sich sportlergerecht und passend zum individuellen Kalorienbedarf zu
ernähren. Wer an einem Wettkampf teilnehmen möchte, findet heute im Internet
fundierte Informationen zur optimalen Vorbereitung. Kraftsportler können dort
detailliert nachlesen, wie dabei ein professioneller Ernährungsplan aussieht. Das
Hintergrundwissen kann auch im Amateurbereich weiterhelfen.

Umfassende Hilfestellungen gibt es etwa auch für alle, die sich auf einen Marathon

vorbereiten wollen. In Karlsruhe können zudem ambitionierte Hobbyathleten ein
besonderes Angebot des Karlsruher Instituts für Sport und Sportwissenschaft (IfSS)
am dortigen Institut für Technologie (KIT) wahrnehmen. Im Bereich Triathlon findet
spezielles Zirkeltraining mit zusätzlichen Einheiten (insgesamt fünf pro Woche)
statt, an dem nicht nur Hochschulstudierende, sondern auch andere unter
professioneller Anleitung teilnehmen können.

Leistungsvergleich beim Wettkampf

Die Teilnahme an einem Wettkampf oder sportlichen Event ist nicht nur eine große
Motivation, das regelmäßige Training ernst zu nehmen und sich kontinuierlich zu
verbessern. Es bietet auch die Möglichkeit, seine Leistung real mit anderen zu
vergleichen. Dies ist immer eine besondere Herausforderung.

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Die Bedingungen sind plötzlich ganz
anders als beim Training für sich alleine und auch die Atmosphäre trägt dazu
noch bei. An einigen Wettbewerben ist
eine Teilnahme nur bei einer
Mitgliedschaft in einem Verein möglich,
oder wenn anderweitig der Nachweis
über eine bestimmte Leistungsfähigkeit
erbracht werden kann. So auch im
Bereich Fitness und Bodybuilding.

Allerdings gibt es hier verschiedene Ausnahmen. Vor allem für Laufsportveranstaltungen gibt es meist keine Einschränkungen. Hier haben Hobbysportler bei renommierten Läufen die Möglichkeit, zusammen mit professionellen Athleten anzutreten. Diese Wettkämpfe sind dann sehr gut organisiert und bietet die Chance, Profiluft zu schnuppern.

In Karlsruhe finden Wettkämpfe für Hobbysportler und ambitionierte Athleten in den
verschiedensten Disziplinen statt. Allein im Bereich Laufen gibt es in der Region
zahlreiche Veranstaltungen mit unterschiedlicher Ausrichtung und Schwierigkeitsgraden. Vom einfachen Volkslauf mit einer Strecke von fünf Kilometern bis zum Marathon mit rund 42 Kilometern ist alles dabei. Viele weitere Disziplinen sind bei den Wettkämpfen ebenfalls vertreten:

 Fridericiana Sprintnacht: In der Schwimmhalle des KIT soll auch 2018 wieder
ein internationaler Sprintwettbewerb für Schwimmer stattfinden (geplant am
30. November 2018). Im letzten Jahr fand die Veranstaltung mit 248
Teilnehmern regen Anklang.

 Internationale Schwimmsporttage Karlsruhe: Die nächste Ausgabe findet
vom 7. Bis 9. Dezember 2018 im Fächerbad statt.

 Nationaler Paraclimbing Wettbewerb: Diese deutschlandweit bislang
einzigartige Veranstaltung fand im Juni dieses Jahres zum ersten Mal statt.
Ausgerichtet vom Alpenverein Karlsruhe traten rund 70 Sportkletterer mit
Handicap gegeneinander an. Neben der deutschen Kletterelite der
Nationalmannschaft waren auch Athleten aus Österreich und ein ungarischer Teilnehmer mit am Start.

Motivation für den Fitness Boom
Nicht nur der grundsätzliche Wunsch, in seiner Freizeit Sport zu treiben und sich fit zu
halten ist in den letzten Jahren bei immer mehr Menschen zu erkennen. Vielen davon
ist das einfache Training im Fitnessstudio oder die wöchentliche Laufrunde im Park
zu wenig.

Neben den steigenden Mitgliederzahlen in Fitnessstudios hat sich gerade das Laufen
zu einem Volkssport entwickelt. Die Schuhe sind schnell geschnürt und der Sport
lässt sich ohne große Hürden beinahe überall ausführen. Auch die Teilnehmer an
Marathonveranstaltungen werden immer mehr. Dabei ist der Trainingsaufwand für
die Vorbereitung zu einen solchen Lauf durchaus umfangreich und erfordert viel Zeit.

Oftmals ist es nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Herausforderung,
sich der Aufgabe zu stellen, was heute viele dazu bewegt, die lange Distanz zu laufen.
Wer diese Hürde schafft, kann oftmals auch im übrigen Leben von diesem Erfolg
zehren – ein guter Anstoß für das Selbstbewusstsein. Es ist Fleiß,
Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit und Zähigkeit gefragt, um einen Marathon zu
bewältigen.

Dasselbe gilt für andere Disziplinen. Wer sich den (körperlichen) Herausforderungen
stellt und dabei Höchstleistungen erbringt, kann dabei seine Grenzen ausloten und
lernt, wie belastbar man ist. Dies macht resistenter gegen Stress und hilft dabei, auch
andere Probleme leichter angehen und bewältigen zu können.