
Große Erleichterung für Hunderte Beschäftigte: Nach intensiven Verhandlungen wurden über 300 Stellen bei einem deutschen Traditionsbetrieb gerettet. Die Belegschaft musste dafür allerdings spürbare Zugeständnisse machen.
Die Einigung beendet eine monatelange Phase der Unsicherheit bei dem traditionsreichen Betrieb. Doch wie kam es nach dem harten Ringen zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaft zu diesem Ergebnis?
Erleichterung nach monatelangem Ringen
Für viele Beschäftigte dürfte es eine riesige Erleichterung sein, denn nach intensiven Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaft ist die Zukunft von mehr als 300 Arbeitsplätzen bei der traditionsreichen Fritz-Winter-Eisengießerei in Stadtallendorf vorerst gesichert. Noch im Frühjahr hatte das Unternehmen angekündigt, im Zuge eines harten Sanierungskurses 320 Stellen abbauen zu wollen. Als Grund nannte die Geschäftsführung die anhaltende Schwäche in wichtigen Absatzmärkten. Die Pläne sorgten damals für heftige Kritik. Die IG Metall stellte sich gemeinsam mit der Belegschaft klar gegen den angekündigten Stellenabbau.
In den vergangenen Wochen hat man deshalb intensiv verhandelt. Die Mitglieder der IG Metall bei Fritz Winter stimmten dem ausgehandelten Ergänzungstarifvertrag in einer geheimen Abstimmung mit 83,11 Prozent zu. Damit ist der Weg für die Umsetzung des Sanierungskonzeptes frei. Die ursprünglich angekündigten 320 Stellen bleiben erhalten. Mario Wolf von der IG Metall Mittelhessen macht jedoch deutlich, dass die Zustimmung der Beschäftigten kein Freifahrtschein für die Unternehmensleitung ist. Vielmehr hätten die Mitarbeiter erneut einen erheblichen Beitrag zur Zukunft des Unternehmens geleistet – verbunden mit der klaren Erwartung, dass die Geschäftsführung diese Chance verantwortungsvoll nutzt.
Beschäftigte leisten spürbare Zugeständnisse
Die Beschäftigten verzichten für drei Jahre auf tarifliche Sonderzahlungen. Außerdem gilt während des Sanierungszeitraums eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Für die meisten Mitarbeiter ändert sich dadurch allerdings kaum etwas, denn nach Angaben der IG Metall arbeiten viele Beschäftigte im Schichtbetrieb bereits heute 37,5 Stunden pro Woche. Zudem hat man weitere wichtige Vereinbarungen getroffen. So soll es eine Beschäftigungssicherung geben und Auszubildende sollen unbefristet übernommen werden. Weiterhin wird ein Lenkungsausschuss eingerichtet.
Die Fritz Winter Eisengießerei zählt mit mehr als 3.000 Beschäftigten an vier Standorten in Hessen und China zu den größten konzernunabhängigen Kundengießereien Europas. Das Traditionsunternehmen produziert nach eigenen Angaben mehr als 650 verschiedene Gussteile für Kunden aus der Automobil-, Nutzfahrzeug- und Hydraulikindustrie.
(Quellen: IG Metall Mittelhessen, HNA, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














