Größter Ausbruch seit 1989: Nachbarland meldet 2.597 Infektionen

Auf dem Bild sind die Hände einer Person im Vordergrund zu sehen, die nach vorn ausgestreckt sind. Zwischen den Händen schweben mehrere grafisch dargestellte Virenmodelle in hellgrauer Farbgebung.
Symbolbild © imago/Wirestock

Ein Virus breitet sich rasant in unserem Nachbarland aus: Der größte Ausbruch seit Jahrzehnten bringt Kliniken an ihre Grenzen und zwingt Behörden zu drastischen Maßnahmen.

Ein gefährlicher Virus breitet sich im Nachbarland ungewöhnlich stark aus, und Kliniken geraten an ihre Grenzen.

Tschechien im Alarmmodus

In Tschechien wütet der größte Hepatitis-A-Ausbruch seit 1989. Erst allmählich kommt ans Licht, wie dramatisch die Lage tatsächlich ist. Die Behörden sprechen von 2.597 bestätigten Infektionen seit Januar. Zum Vergleich: 2022 waren es lediglich 636 Fälle. Besonders besorgniserregend: 28 Menschen sind bereits gestorben.

Die meisten Todesopfer litten an schweren Vorerkrankungen, vor allem an chronischen Leberproblemen, Alkoholabhängigkeit oder Drogenkonsum. Experten warnen: Für geschwächte Personen kann Hepatitis A lebensbedrohlich werden. Während Prag mit 1.108 Fällen zum Epizentrum der Krise wurde, steigen auch in touristischen Regionen nahe der deutschen Grenze die Zahlen. In der Mittelböhmischen Region wurden 418 Infektionen gemeldet, in Vysočina 28, in Hradec Králové und Liberec jeweils 41. Selbst die Jüngsten bleiben nicht verschont. Elf Säuglinge und 185 Kinder zwischen fünf und neun Jahren erkrankten bereits.

Kliniken am Limit – Patienten müssen abgewiesen werden

Besonders alarmierend ist die Situation in den Krankenhäusern. Über 2.000 Patienten mussten auf Infektionsstationen behandelt werden, weitere 150 landeten in anderen Abteilungen, weil die Spezialbetten längst vergeben waren. 322 Erkrankte konnten überhaupt nicht mehr aufgenommen werden. Ein Beispiel: In Karlovy Vary waren zeitweise 18 der zwanzig Infektionsbetten belegt – ein Ausnahmezustand. Auffällig ist außerdem die Verteilung der Fälle. Die meisten Erkrankten – und 26 der 28 Todesopfer – waren Männer. Besonders die Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen ist stark betroffen. Fast die Hälfte aller Todesfälle entfiel auf Menschen zwischen 50 und 69 Jahren.

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Das polnische Außenministerium rät von nicht notwendigen Reisen in die Tschechische Republik ab. Erhöhte Hygiene, Flaschenwasser und Mahlzeiten nur in geprüften Einrichtungen sind die Empfehlungen. In Prag wurden zusätzliche Desinfektionsspender in Bussen und Bahnen installiert, Reinigungen finden häufiger statt. Der Impfstoff bietet den zuverlässigsten Schutz. Doch ausgerechnet in den am stärksten betroffenen Bezirken bleibt die Nachfrage niedrig. Hepatitis A wird vor allem durch verunreinigte Lebensmittel, Wasser, Besteck oder sexuellen Kontakt übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 15 bis 50 Tage, im Schnitt rund 25. Bei Kindern verläuft die Infektion oft unbemerkt – doch wer sie übersteht, ist lebenslang immun.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Hospodarske Noviny, TVN24, SME, RMF24, Polish Press Agency)