
Wer per Haftbefehl gesucht wird, muss offenbar nicht auf Sozialleistungen verzichten. Bislang zahlt der Staat einfach weiter. Zudem gibt es immer mehr Fälle von Leistungsmissbrauch. Nun werden die Forderungen nach härteren Maßnahmen lauter.
Kriminelle profitieren vom Sozialsystem, denn trotz Fahndung kassieren sie bislang ab. Warum die Überweisungen von Leistungen oftmals nicht eingestellt werden können – und was die Regierung jetzt unternehmen will.
Zahl steigt weiter: Tausende Fälle von Sozialmissbrauch
Ob Wohngeld, Grundsicherung oder Kindergeld: Millionen Menschen sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Doch wer parallel mit Schwarzarbeit oder anderen illegalen Aktivitäten abkassiert, betrügt das System. Geben Bürger lediglich vor, bedürftig zu sein, um Leistungen zu erschleichen, begehen sie Sozialleistungsmissbrauch. Im Jahr 2025 belief sich die Zahl der Betrugsfälle auf mindestens 110.000. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 6,8 Prozent. Zudem spricht das Bundessozialministerium von einer hohen Dunkelziffer.
Trotz Haftbefehl fließt das Geld – der Staat zahlt weiter
Die Regierung hatte bereits strengere Maßnahmen für EU-Bürger angekündigt, um die Missbrauchsquote zu senken. Behörden gehen bislang mit unterschiedlichen Methoden gegen die Kriminellen vor. So gab es etwa im Frühjahr 2026 eine Großaktion in Nordrhein-Westfalen. In verschiedenen Städten des Bundeslandes machten sich unter anderem Mitarbeiter der Ordnungsämter sowie der Polizei, Familienkassen und Meldebehörden auf den Weg, um auffällige Wohnquartiere zu kontrollieren. Ziel war es, organisierten Missbrauch aufzudecken.
Auch Bürger mit Haftbefehl profitieren vom Sozialsystem: Sie erhalten Leistungen, obwohl offiziell nach ihnen gesucht wird. Das sorgt wiederholt für berechtigte Kritik. Derzeit existiert kein automatisierter Datenaustausch zwischen Ermittlungsbehörden und Jobcentern. Inzwischen werden die Forderungen einiger Politiker allerdings immer lauter: Bürger, nach denen gefahndet wird, sollen kein Geld mehr erhalten. Doch ein konkreter Plan des Arbeitsministeriums liegt laut Kritikern trotz Ankündigung bis jetzt nicht vor. Unter anderem fordert man nun eine rasche Digitalisierung auf Verwaltungsebene, um den Datenaustausch vorantreiben zu können. Allerdings sind die Herausforderungen groß – und strukturelle Probleme verlangsamen die Umsetzung. Spätestens bis Ende des Jahres will das Arbeitsministerium einen entsprechenden Aktionsplan auf den Weg bringen.
(Quellen: BMAS, Bundestag)














