Handyverbot für Kinder – jetzt wächst der Druck auf die Regierung

Ein Mädchen und ein Junge sitzen vor einer Wand, auf dem lauter Verbote, Altersbeschränkungen und App-Verbote aufgezeichnet sind. Die beiden halten jeweils ein Handy in der Hand und schauen gerade schockiert in die Kamera.
Symbolbild © istockphoto/kbeis

Für ein Handyverbot für Kinder sprechen sich immer mehr Experten aus. Aufgrund der Ergebnisse der eingesetzten Expertenkommission wächst nun der Druck auf die Regierung, endlich eine Entscheidung zu treffen.

Schon seit Längerem ist das Handyverbot für Kinder Teil einer Diskussion. Nicht nur unter Politikern, sondern auch in der Bevölkerung wächst die Sorge. Denn die Folgen von langem und häufigem Handykonsum zeigen sich schon jetzt.

Schon jetzt drastische Folgen: „Zu häufig und zu lange“

Minderjährige verbringen viel Zeit am Smartphone, wobei die Nutzungsdauer mit zunehmendem Alter rasant ansteigt. Laut einer aktuellen Studie liegt die durchschnittliche reine Smartphone-Bildschirmzeit von Jugendlichen in Deutschland bei knapp vier Stunden pro Tag. Die mit Abstand wichtigste App ist WhatsApp für die tägliche Kommunikation, gefolgt von Social-Media-Plattformen wie Instagram, Snapchat und TikTok zur Unterhaltung und Informationsbeschaffung. Die exzessive Nutzung von Smartphones und sozialen Medien zeigt bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland bereits erhebliche und messbare negative Auswirkungen.

Etwa ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen nutzt soziale Medien in einem problematischen Ausmaß. Knapp fünf Prozent gelten offiziell als mediensüchtig. Vor der Pandemie im Jahr 2019 lag der Anteil problematischer Nutzung noch bei rund 11 Prozent. Zudem nehmen depressive Symptome und Ängste zu, da die Kinder und Jugendlichen immer nur Content sehen, in dem andere schöner, reicher, glücklicher usw. sind. Neben den psychischen Auswirkungen kommen noch körperliche wie beispielsweise Haltungsschäden dazu. Experten fordern schon länger ein Eingreifen des deutschen Staates.

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Handyverbot für Kinder: Experten fordern schnelles Handeln

Ende Juni hat eine Expertenkomission ihre Ergebnisse vorgelegt. Diese sind erschreckend und zeigen einen dringenden Handlungsbedarf. Die Expertenkommission empfiehlt einen geschützten Zugang zu digitalen Plattformen statt pauschaler Verbote für Minderjährige. Zu den weiteren Maßnahmen zählen strengere Vorgaben gegen Suchtmechanismen, ein Handyverbot an Schulen bis zur 7. Klasse sowie die Integration von Social-Media-Suchtvorsorge in kinderärztliche Untersuchungen. Die Empfehlung einer Altersgrenze von 13 Jahren für die eigenständige Nutzung von sozialen Medien wie Instagram oder TikTok wurde im Sommer 2026 von der Expertenkommission vorgelegt.

Zudem setzt Expertenkommission setzt auf das Prinzip „Safety by Design“ (zu deutsch: Sicherheit durch Gestaltung). Plattformen sollen so gebaut sein, dass sie Kinder von vornherein schützen, anstatt die Verantwortung auf die Eltern abzuwälzen. Weitere Maßnahmen sollen ein Verbot von Endlos-Feeds, das automatische Nachladen von Inhalten sowie die Abschaffung von Autoplay sein. Außerdem sollen für Kinder unter 14 die strengsten privaten Einstellungen als Standard gelten.

(Quellen: BMBFSFJ, Leopoldina)