
Die Industrie scheint weiterhin auf dem absteigenden Ast zu sein. Jetzt will ein großer Konzern aus Deutschland fast 2.000 Stellen streichen – und das ist nur ein Teil der angekündigten Sparmaßnahmen.
Dass Industrie und Wirtschaft schon seit Langem in einer Krise stecken, ist hinlänglich bekannt und kann nicht geleugnet werden. Das bekommt nun ein weiterer deutscher Konzern zu spüren. Deshalb greift er zu drastischen Maßnahmen.
Konzern kündigt umfassende Sparmaßnahmen an
Die Evonik Industries AG ist ein deutsches Chemieunternehmen mit Sitz in Essen. Das Unternehmen ging 2006 aus der ehemaligen Ruhrkohle AG hervor. Mit rund 100 Standorten in 27 Ländern gehört Evonik zu den weltweit führenden Unternehmen für Spezialchemie und gilt als drittgrößtes seiner Art in Deutschland. Bislang hat sich der Konzern verhältnismäßig gut durch die anhaltende Krise manövriert. Konnte sich das Unternehmen zwischen 2014 und 2018 horrende Parteispenden in Höhe von insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro leisten, muss der Gürtel jetzt enger geschnallt werden. Ausbaden müssen es die Arbeitnehmer.
Von den zuletzt verzeichneten rund 32.000 Mitarbeitern, erhalten bis zum Ende dieses Jahres 1.850 die Kündigung. Diese Entscheidung sei im Einvernehmen mit Arbeitnehmervertretern gefallen. Auch sollen die Betroffenen eine Abfindung erhalten. Ebenso will der Vorstand, darunter der Vorsitzende Christian Kullmann, das Budget für Fortbildungen, Messebesuche und Dienstreisen deutlich kürzen.
Konzern im Umbruch: Stellen-Kahlschlag und neuerliche Innovation
Die Kürzungen erfolgen scheinbar zugunsten neuer Entwicklungen. Dabei spielt primär die Evonik Innovation Factory eine zentrale Rolle. Diese soll in den nächsten Jahren (bis 2032) zu einem Großteil des vorgesehenen Umsatzwachstums beitragen. Lauren Kjeldsen, im Vorstand von Evonik für Innovation verantwortlich, betont, dass insbesondere die Resilienz gegenüber Krisen und Kundennähe ausschlaggebend für den Erfolg seien. Die Innovation Factory will neue Projekte künftig binnen fünf Jahren marktreif machen. Dazu sei eine Neuausrichtung der Innovationsorganisation notwendig gewesen. Dies bedeutet: eine klare Aufgabenteilung, die Entscheidungsprozesse beschleunigt und die Erfolgschancen steigert.
Dabei setzt das Unternehmen auf drei neue Errungenschaften. Zum einen stellt Evonik eine neue Membran vor, die die elektrolytische Wasserstoffherstellung deutlich effizienter und günstiger machen kann. Weiterhin wurde ein optimiertes Probiotikum entwickelt, durch das bei der Hühnerzucht weniger Antibiotika zum Einsatz kommen. Zu guter Letzt: ein neues Mittel, durch das sich chemischer Kunststoff besser recyceln lässt.
(Quellen: WAZ, Evonik, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)













