Kanzler alarmiert: Rekord-Krankenstand erreicht in Deutschland

Eine Krankmeldung vom Arzt liegt auf dem Tisch. Der "gelbe Zettel" ist ausgefüllt als "Erstbescheinigung" und daneben liegt ein Kugelschreiber. Auf dem hinteren Zettel steht unter "Diagnose": Kinderkrankschreibung.
Symbolbild © imago/Steinach

Krankenkassen und Ärzte schlagen Alarm: Neuesten Statistiken zufolge ist der Krankenstand in Deutschland auf einem Rekordhoch. Die Forderungen an Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Koalitionspartner sind klar – es muss sich etwas ändern.

Ursachen für eine Krankschreibung gibt es viele. Doch ganz gleich, welcher Natur diese sind – Fakt ist: Sie häufen sich in den letzten Jahren zunehmend. Die aktuellen Zahlen sprechen Bände.

Bundestag: Der Kanzler und die Debatte um den Krankenstand

Laut Bundeskanzler Friedrich Merz kämen Arbeitnehmer in Deutschland auf durchschnittlich 14,5 Krankentage im Jahr. Das entspricht einem Krankenstand von fast drei Arbeitswochen und sei Merz zufolge nicht notwendig. Für den Kanzler zeichne diese Zahl ein Bild, dass es zu wenig Anreize zum Arbeiten gebe. Im Prinzip bedeutet das, dass die Deutschen sich wegen jeder Kleinigkeit krankschreiben lassen oder gar schwänzen würden. Aus diesem Grund diskutiert die Politik derzeit auch über eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.

Gesundheitsexperten und Gewerkschaften zeigen sich entsetzt und bezeichnen die Aussagen des Kanzlers als eine „Misstrauenserklärung“ gegenüber den Beschäftigten und Ärzten. Zudem entlaste die telefonische Krankschreibung die Arztpraxen und verhindere Ansteckungen in den Wartezimmern. Auch die von CSU-Chef Markus Söder vorgeschlagenen Karenztage seien keine Lösung. Im Endeffekt erreiche die Bundesregierung nur, dass die Menschen quasi dazu gezwungen werden, krank zur Arbeit zu gehen. Durch den (finanziellen) Druck seien Kollegen der Ansteckungsgefahr ausgesetzt, und Erkrankte könnten sich zudem nicht in Ruhe auskurieren.

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Deutschland erreicht Rekord-Krankenstand

Laut aktuellen Statistiken der DAK und des IGES-Instituts waren Beschäftigte im letzten Jahr im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben. Besonders hoch sei der Krankenstand im Gesundheitswesen mit 22,5 Tagen. Auffällig ist auch, dass Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen deutlich angestiegen sind. Im Vergleich zum Vorjahr ist 2025 ein Plus von 6,9 Prozent zu verzeichnen. Das mag einerseits daran liegen, dass sich das Bewusstsein für psychische Erkrankungen in den letzten Jahren verändert hat. Jedoch seien Beschäftigte laut den Experten schlicht überlastet.

Zwar befinden sich Atemwegserkrankungen als Grund noch immer auf dem ersten Platz, Erkrankungen des Bewegungsapparats sind jedoch auf den dritten Platz gerutscht. Diese treten der AOK zufolge am häufigsten in der Liefer- und Zustellbranche auf. 2024 erreichte die Branche einen Rekord-Krankenstand von 7,69 Prozent. Obendrein seien die Menschen nach der Corona-Pandemie anfälliger. Das Immunsystem bedarf einer deutlich längeren Regenerationszeit, was es Erregern sehr viel leichter macht.

(Quellen: dpa, Bundesamt für Statistik, DAK, AOK, Tagesspiegel)