Kartoffel-Rekordjahr: Doch Bauern müssen ihre Ernte vernichten

Eine große rote Maschine mit einer Art Fließband, die bei der Ernte von Kartoffeln eingesetzt wird. Am Ende ist ein ganzer Haufen frisch geernteter Kartoffeln zu sehen.
Symbolbild © istockphoto/U. J. Alexander

Dieses Jahr scheint ein Rekordjahr für Kartoffeln zu sein. Was so positiv klingt, zieht jedoch auch Probleme nach sich. Es geht so weit, dass viele Bauern ihre Ernte vernichten müssen.

In Zeiten, wo die Lebensmittelkosten immer weiter ansteigen, ist es eigentlich eine gute Nachricht, wenn Grundnahrungsmittel reichlich vorhanden und erschwinglich sind. Die Bauern stellt dies jedoch auch vor Herausforderungen.

Rekordjahr: Tonnenweise Kartoffeln geerntet

Bekanntlich gab es vor allem in der ersten Jahreshälfte viel zu wenig Niederschlag. Kaum Schnee im Winter und ebenso wenig Regen im Frühjahr bedrohten sogar Grund- und Trinkwasser. Den Kartoffelpflanzen scheint das nichts ausgemacht zu haben. Das Statistische Bundesamt prophezeit für dieses Jahr eine überdurchschnittlich ertragreiche Kartoffel- und Apfelernte in Deutschland. Mit erwarteten 13,4 Millionen Tonnen Kartoffeln liegt der Ertrag 5,3 Prozent über dem des Vorjahres. Zuletzt sei die Ernte vor 25 Jahren derart prächtig ausgefallen. Bei den Äpfeln zeichnet sich Ähnliches ab. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen waren die Witterungsbedingungen für Kartoffeln und Äpfel also scheinbar ideal. Hinzu kommt, dass es in diesem Jahr 6,7 Prozent mehr Anbaufläche gibt. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sind das bundesweit 301.000 Hektar. Das gab es zuletzt vor 20 Jahren.

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Überangebot: Bauern müssen ihre Ernte vernichten

Für Verbraucher sind diese Nachrichten durchaus positiv zu bewerten. Aufgrund der Rekordernten sinken die Preise für Kartoffeln und Äpfel enorm. Im Vergleich zum letzten Jahr ist ein Preissturz von etwa 15 Prozent zu verzeichnen. Für die Bauern ist dies jedoch eine Krux. Zwar verkaufen sie mehr, erhalten jedoch rund 60 Prozent weniger. Meist verkaufen die Landwirte ihren Ertrag über Zwischenhändler an den Einzelhandel – das drückt die Erzeugerpreise massiv. Sechs bis sieben Cent pro Kilogramm Kartoffeln streicht ein Landwirt aktuell in etwa ein.

Obendrein führt das Überangebot dazu, dass nicht alles verkauft werden kann. Einer der Gründe ist, dass Abnehmer aus dem Ausland fehlen – etwa Pommes Frites- oder Chips-Hersteller. Generell sei es laut einigen Landwirten schwieriger, Kartoffeln an die Industrie als an den Lebensmittelhandel zu vertreiben. Entweder sitzen die Bauern also auf ihren Kartoffelbergen fest oder die Ernte landet in Biogasanlagen oder aber endet als Tierfutter.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Bundeslandwirtschaftsministerium, Agrar Heute)