
Abschiebungen nach Syrien bleiben schwierig, der politische Druck wächst. Die EU setzt weiter auf freiwillige Rückkehr – doch die Realität vor Ort wirft viele unbequeme Fragen auf.
Hinter den Kulissen ringt die EU um Syriens Geflüchtete. Eine freiwillige Rückkehr klingt simpel – ist es aber nicht.
Hoffnung auf Rückkehr – aber bitte freiwillig
Die Debatte kocht hoch, doch die Lösungen bleiben kompliziert. Während in der Politik laute Forderungen nach Abschiebungen zu hören sind, sieht die Realität anders aus. Nach Einschätzung von EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sind Rückführungen nach Syrien weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich. In einem Interview machte er klar: Die Europäische Union setzt derzeit vor allem auf freiwillige Rückkehr. Die EU-Asylagentur sehe Anzeichen dafür, dass sich die Lage in Syrien punktuell verbessere. Auf dieser Grundlage habe die Grenzschutzbehörde Frontex bereits Tausende Syrer bei der Rückkehr unterstützt. Gleichzeitig bleibt Brunner vorsichtig. Syrien gilt nach EU-Regeln weiterhin nicht als sicheres Herkunftsland.
In Deutschland sorgt das Thema für politischen Zündstoff. Die CSU fordert ein Ende des Schutzstatus für die meisten Syrer mit vorübergehendem Bleiberecht – und fordert für 2026 sogar eine Abschiebeoffensive. Außenminister Johann Wadephul (CDU) bremste hingegen bei einem Besuch in Syrien: Eine freiwillige Rückkehr in großer Zahl halte er derzeit für unrealistisch. Dafür kassierte er parteiintern scharfe Kritik.
Syrer in Deutschland: Zahlen und Fakten
Ende November lebten laut Bundesregierung über 940.000 Syrer in Deutschland. Mehr als die Hälfte besitzt einen Schutzstatus, andere leben mit Duldung, Aufenthaltsgestattung oder Niederlassungserlaubnis hier. Und viele sind längst Teil des Arbeitsmarkts: 61 Prozent der erwachsenen Syrer sind erwerbstätig, häufig in Mangelberufen wie Pflege oder Medizin. In den vergangenen Jahren gehörte Syrien zudem zu den wichtigsten Herkunftsländern bei Einbürgerungen – wer Deutscher wird, taucht im Ausländerzentralregister nicht mehr auf.
Doch wie sieht es in Syrien selbst aus? Viele Regionen sind unbewohnbar, Strom und Wasser fehlen, Arbeit ist rar. Die Vereinten Nationen sprechen von 16 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Zwar sind bereits rund eine Million Menschen zurückgekehrt – vor allem aus Nachbarländern wie der Türkei oder dem Libanon. Doch viele von ihnen kamen aus bitterer Armut, aus Lagern oder von der Straße. Freiwillige Rückkehr bleibt damit oft weniger eine Hoffnung als ein letzter Ausweg.
(Quellen: EU-Kommissar Magnus Brunner, EU-Kommission zur Lageeinschätzung Syriens, geltende EU-Asyl- und Rückführungsregelungen)














