Klimawende: Wind und Solarkraft lassen Kohle und Gas hinter sich

Viele Solarmodule und drei Windräder stehen auf einem Feld an der Küste und erzeugen erneuerbare Energie. Der Himmel ist blau und es sind ein paar Wolken zu sehen.
Symbolbild © istockphoto/imacoconut

Wind und Solarkraft verändern die europäische Stromwelt rasanter als erwartet: Während fossile Energien an Boden verlieren, rücken Windräder und Solarpanels ins Zentrum der Versorgung – mit politischen Folgen.

In Europas Stromwelt hat sich etwas verschoben – leise, aber mit Wucht. Plötzlich stehen neue Sieger auf dem Podest, während alte Giganten ins Straucheln geraten.

Plötzlich sind die Favoriten andere

Windräder drehen sich über Küsten und Feldern, Solarpaneele glitzern auf Dächern: Was lange wie Zukunftskino klang, hat 2025 die Bühne der europäischen Energieversorgung übernommen. Laut der Denkfabrik Ember lieferten Wind- und Solarkraft im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als fossile Energieträger. Die Erneuerbaren kamen auf rund dreißig Prozent des EU-Strommixes, Kohle und Gas zusammen nur auf 29 Prozent. Noch vor fünf Jahren hatte der Anteil von Wind und Sonne erst zwanzig Prozent betragen.

Besonders Staaten wie Ungarn, Zypern, Griechenland, Spanien und die Niederlande überraschten: Dort stammt bereits mehr als ein Fünftel des Stroms allein aus der Sonne. Damit übertrifft die EU den globalen Schnitt von 8,8 Prozent deutlich. Gleichzeitig hielt sich ein hartnäckiger Mythos nicht: die Angst vor tagelangem Dunkelflauten-Chaos. Eine Analyse der Förderbank KfW zeigt, dass Wind und Sonne im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre nur an fünfzehn Tagen im Jahr gemeinsam schwächeln – rund vier Prozent aller Tage, alle zwischen Oktober und Februar.

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Fossile verlieren Macht – doch ihre Schatten bleiben

So eindrucksvoll die Kurve bei Wind und Sonne steigt, so kompliziert bleibt das Gesamtbild. Denn die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Stromsektor. Beim gesamten Energiebedarf – also auch Verkehr, Wärme und Industrie – dominiert nach wie vor die Fossilwelt. Im Strommix erreichten erneuerbare Energien insgesamt (inklusive Wasserkraft und Biomasse) 47,7 Prozent. Kernkraft steuerte weitere 23,4 Prozent bei. Kohle fiel mit nur 9,2 Prozent auf ein historisches Tief. Doch ausgerechnet Gas blieb hartnäckig: Mit 16,7 Prozent lag der Anteil rund acht Prozent über dem Vorjahr.

Ember warnt, dass die geopolitischen Risiken fossil gebundener Lieferketten 2025 keineswegs verschwunden seien. Die EU reagierte: Bis spätestens Ende 2027 soll Schluss sein mit russischem Pipelinegas. Langfristige Verträge werden gekappt, der politische Hebel Moskaus soll stumpf werden. Doch neue Abhängigkeiten lauern bereits: Ausgerechnet die USA könnten zum wichtigsten Anbieter der Europäer werden – und damit zum neuen Einflussfaktor.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Studie der Ember, Angaben der Europäischen Union)