„Knuspermarkt“: 1. Weihnachtsmarkt verliert traditionellen Namen

An einem hell beleuchteten und weihnachtlich dekorierten Stand auf einem Weihnachtsmarkt prangt ein großes rotes Schild mit der Aufschrift "Glühwein". Darunter befinden sich kleinere Schilder, auf denen Preise für weitere Getränke ausgeschildert sind.
Symbolbild © imago/Patrick Scheiber

Alle Jahre wieder ruft es die Deutschen und viele Besucher von außerhalb auf die Weihnachtsmärkte des Landes. Nun verliert aber ein erster Weihnachtsmarkt, zum Entsetzen vieler, seinen traditionellen Namen und soll nur noch „Knuspermarkt“ heißen.

Tradition ist vielen Menschen in Deutschland wichtig, insbesondere wenn es um die Weihnachtszeit geht. Nun bricht damit aber ein erster Weihnachtsmarkt im Land und verliert seinen traditionellen Namen und heißt nun offiziell „Knuspermarkt“. Was da los ist, wollen viele Bürger zu Recht wissen.

Wenn ein Name mehr auslöst als Plätzchenduft und eine ganze Gesellschaft spalten kann

In Neuwied lockt seit dem 21. November wieder ein festlich beleuchteter Markt – mit Glühwein, Riesenrad, duftendem Gebäck und gemütlichen Hütten. Alles wirkt vertraut und einladend, ähnlich wie ein klassischer Weihnachtsmarkt. Doch der Begriff, mit dem die Stadt wirbt – „Knuspermarkt“ – entfacht online regelmäßig Diskussionen. Für manche Besucher klingt der Name nach Spaß und Märchen, für andere verliert dadurch das Fest etwas von seiner Tradition.

Der „Knuspermarkt“ ersetzt in Neuwied bewusst den Ausdruck „Weihnachtsmarkt“. Damit folgt die Stadt einem Konzept, das bewusst Abstand nimmt von religiöser Symbolik und sich auf Winter- und Genussaspekte fokussiert. So tragen viele moderne Märkte inzwischen neutrale Namen wie „Wintermarkt“ oder „Genussmarkt“, um breiter anzusprechen – und das Konzept flexibler zu gestalten. Ein prominentes Beispiel: Der Markt am Flughafen München nennt sich Jahr für Jahr „Weihnachts- und Wintermarkt“ und bleibt teilweise bis in den Januar geöffnet. Trotzdem stoßen solche Begriffe auf teils heftige Kritik – viele fühlen sich durch die Umbenennung ihrer gewohnten Adventstradition beraubt. Gleichwohl bleibt das Angebot: Lichter, Musik, Leckereien und eine festliche Stimmung – genau das, was viele mit Weihnachten verbinden.

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Warum „Knuspermarkt“ mehr ist als nur ein Wort

Die Umbenennung ist kein bloßer Marketing-Gag. Neuwied wählte den Namen bereits 2012 – angelehnt an das Märchen „Hänsel und Gretel“. Für die Stadt sollte der Markt damit ein eigenes Gesicht bekommen: märchenhaft, kinderfreundlich, unaufgeladen. Die Hütten wirken wie Lebkuchenhäuser, überdimensional große Schneekugeln sorgen für staunende Blicke, und im „Kinder-Knusperland“ wird der Markt zur Familieneventszene. Diese Gestaltung hebt ihn bewusst von klassischen Weihnachtsmärkten ab.

Ein großer Vorteil: Durch den neutraleren Titel kann der Markt organisatorisch und zeitlich flexibler agieren. Der „Wintermarkt“-Ansatz – wie ihn der Flughafen München zeigt – erlaubt längere Öffnungszeiten, breitere Zielgruppen und ein Programm, das über die Feiertage hinausreicht. Für Städte mit schwankenden Besucherzahlen oder verschiedenen Wetterbedingungen kann das ein entscheidender Vorteil sein.

(Quellen: Eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)