Längst vergessene Kriegsseuche breitet sich aus – in der Ukraine

Zwei Arbeiter befinden sich in einem offenbar verseuchten Gebäude. Sie tragen Schutzanzüge und haben Strahlenmessgeräte in den Händen. Sie üben für einen radioaktiven Notfall.
Symbolbild © istockphoto/NewSaetiew

Und plötzlich ist Vergangenes so präsent wie nie zuvor. Eine längst vergessene Kriegsseuche breitet sich in der Ukraine aus. Die Folgen sind verheerend und ein Ende ist bislang nicht in Sicht.

Eine längst vergessene Kriegsseuche breitet sich aktuell in der Ukraine aus. Die Hilfsmaßnahmen für Betroffene erweisen sich als schwierig, weshalb die Lage mehr als kritisch zu betrachten ist.

Begünstigt durch enge Quartiere und schlechte Hygiene

Kriegsseuchen sind Infektionskrankheiten, deren Ausbreitung durch Kriege beschleunigt wird. Auf dem Schlachtfeld und in den umkämpften Gebieten gelangen Krankheitserreger leichter in neue Populationen, da Infrastruktur, Wasserversorgung und Gesundheitsdienste oftmals gestört sind. Enge Quartiere, schlechte Hygiene und veränderte Lebensbedingungen begünstigen dabei die Übertragung und erhöhen zumeist die Sterblichkeitsrate. Besonders gefährdet sind Soldaten und Verwundete, deren Immunstatus durch Stress und Verletzungen geschwächt ist. Hilfsorganisationen versuchen zwar, in Krisengebieten Vorsorge und Behandlungsangebote bereitzustellen, doch logistische Hindernisse und Sicherheitsrisiken erschweren dies häufig.

Evakuierung verletzter Soldaten schwierig

In der Vergangenheit haben sich durch Kriege vermehrt Tuberkulose, Cholera und andere Epidemien ausgebreitet. Eine weitere Seuche, an der im Ersten Weltkrieg schätzungsweise mehr als 100.000 deutsche Soldaten erkrankten, ist Gasbrand. Die Erreger dieser bakteriellen Infektion produzieren Gas und Toxine, was zu schweren Gewebeschäden und raschem Zellsterben führen kann. Typische Symptome sind zunehmende Schwellungen, starke Schmerzen und Fieber. Ohne eine zeitnahe Behandlung, die eine umfassende Operation zur Freilegung des infizierten Gewebes sowie die Gabe von Antibiotika erfordert, kann Gasbrand lebensbedrohlich sein.

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Am 24. Februar 2022 begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, als russische Truppen in die Ukraine einmarschierten. Neben einer massiven Zerstörung forderte dieser Krieg in den mehr als drei Jahren auch unzählige Opfer und Verletzte. Nun breitet sich laut den ukrainischen Militärärzten zusätzlich die Kriegsseuche Gasbrand aus und fordert viele Opfer. Der Erreger lauert vor allem im Boden und verbreitet sich über verschmutzte Wunden im Körper aus. Wichtig ist für die Erkrankten eine schnelle Behandlung in einer Klinik mit Antibiotika sowie die Entfernung des betroffenen Gewebes. Allerdings ist die Evakuierung verletzter Soldaten sehr schwierig, weil russische Drohnen gezielt Menschen, die sich im Freien aufhalten, angreifen.

(Quellen: Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, MSD Manuals)