Mehr Arbeiten: Spahn bereitet Deutsche auf spätere Rente vor

Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn in einem Anzug mit passender Krawatte. Spahn plädiert für ein künftig höheres Renteneintrittsalter.
Symbolbild © imago/dts Nachrichtenagentur

Viele, die hart gearbeitet haben, freuen sich kurz vor dem Ruhestand auf die wohlverdiente Rente. Doch diese kann sich immer weiter hinauszögern: Nun bereitet Spahn die Deutschen auf eine spätere Rente und längere Arbeitszeiten vor. Das dürfte den wenigsten gefallen.

Die Debatte um die Altersvorsorge in Deutschland hat eine neue Wendung genommen. Ex-Gesundheitsminister und CDU-Politiker Jens Spahn hat in jüngeren öffentlichen Stellungnahmen einen konsequenten Kurs für die Zukunft der Rentenpolitik skizziert: Die Gesellschaft müsse sich darauf einstellen, länger zu arbeiten und später in Rente zu gehen.

Ex-Minister Spahn fordert Deutsche auf – später in Rente gehen

Nach Jahren stagnierender Debatten um Rentenreformen und demografischem Druck auf das Sozialsystem bringt Spahn damit eine Perspektive in die Diskussion, die sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorruft. Spahn betont, dass Deutschland vor einer großen Herausforderung stehe. Die Bevölkerung altere und damit wachse der Anteil der älteren Generation, die auf die Rente angewiesen ist.

Die klassische Vorstellung vom Arbeiten bis Mitte fünfzig, gefolgt von einer langen Rentenphase, sei nicht mehr finanzierbar. Stattdessen müsse Arbeit als Lebensphase verstanden werden. In Interviews und politischen Gesprächen argumentiert Spahn, dass ein späterer Renteneintritt nicht automatisch eine Verschlechterung bedeute, wenn entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen würden. So schlägt er etwa vor, das Arbeitsumfeld für ältere Beschäftigte besser zu gestalten.

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Experten warnen: Überbelastung der Bürger droht durch längere Arbeit

Gewerkschaften und Sozialverbände warnen, dass körperlich belastende Berufe für viele Menschen eine längere Erwerbstätigkeit schlicht nicht ermöglichen. Selbst bei Bürojobs steigt mit dem Alter oft der gesundheitliche Druck. Für Personen mit schwierigen Arbeitsverhältnissen, gesundheitlichen Einschränkungen oder Familienpflichten könnte die Perspektive „länger arbeiten“ eher eine Belastung als eine Lösung darstellen. Zudem wirft man Spahn vor, mit seinen Formulierungen traditionelle Rentenversprechen infragezustellen. Viele Arbeitnehmer hätten jahrzehntelang Beiträge eingezahlt – mit der Erwartung, spätestens mit Anfang oder Mitte 60 in den Ruhestand gehen zu können.

Während einige Ökonomen eine spätere Rente als unausweichlich ansehen, warnen andere vor einer Ungleichheit. Gutverdiener könnten lange arbeiten und dabei von hohen Renten profitieren. Während Niedriglöhner oder Menschen in harten Jobs bei späterem Renteneintritt eine höhere Belastung erfahren. Ein Punkt in Spahns Argumentation ist jedoch die Flexibilisierung des Arbeitslebens selbst. Die Rente werde dann nicht als plötzlicher Bruch zwischen Erwerbsleben und Ruhestand erlebt, sondern als fließender Übergang.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)