
Deutschlands Pflegesystem steht unter Druck: Fachkräfte fehlen, gleichzeitig wächst das Finanzproblem der Pflegeversicherung. Vor dem geplanten Kabinettsbeschluss verschärft sich der Streit in der Koalition. Es drohen Einschnitte.
Deutschland steht in der Pflege vor einem zunehmenden Versorgungsproblem. Mit der alternden Bevölkerung steigt langfristig die Zahl der Menschen, die Unterstützung benötigen. Gleichzeitig muss das System immer mehr Leistungen stemmen. Bereits 2023 lebten rund 5,7 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland.
Tausende offene Stellen: Pflege kämpft weiter mit Fachkräftemangel
Viele Einrichtungen suchen weiterhin dringend qualifiziertes Personal. Zwar arbeiteten 2025 rund 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Pflegeberufen, dennoch zählt die Branche nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit weiterhin zu den Bereichen mit besonders ausgeprägten Fachkräfteengpässen. Im Jahresdurchschnitt waren rund 31.000 Stellen für Pflegekräfte bei der Behörde gemeldet. Besonders knapp sind examinierte Fachkräfte: Auf 100 gemeldete Stellen kamen zuletzt lediglich 57 arbeitslose Pflegefachkräfte. Zugleich gewinnt Zuwanderung für die Versorgung an Bedeutung. Mittlerweile besitzt etwa jede fünfte Pflegekraft eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Milliardenloch in der Pflegeversicherung: Einschnitte drohen
Neben dem Personalmangel wächst auch der finanzielle Druck auf die Pflegeversicherung. Nach Berechnungen des GKV-Spitzenverbands dürfte sie bis Ende 2026 ein Defizit von rund 4,4 Milliarden Euro anhäufen. Verbandschef Oliver Blatt fordert deshalb schnelle politische Entscheidungen und warnt vor einer weiteren Verzögerung der Reform. Die Bundesregierung will die Finanzierung kurzfristig stabilisieren und zugleich zusätzliche Beitragserhöhungen im kommenden Jahr verhindern. Doch unmittelbar vor der geplanten Kabinettssitzung am Mittwoch ist weiterhin offen, ob sich Union und SPD auf das Reformpaket einigen können.
Im Zentrum des Konflikts stehen unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Finanzierung der Pflege. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch lehnt ein Reformpaket ab, das aus Sicht seiner Fraktion vor allem auf Einsparungen setzt. Die Sozialdemokraten verlangen weitergehende strukturelle Änderungen und fordern unter anderem einen finanziellen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung. Gesundheitsminister Carsten Linnemann von der CDU setzt dagegen zunächst auf Maßnahmen, die das Finanzloch schließen und höhere Beiträge verhindern sollen. Zugleich laufen innerhalb der Koalition Verhandlungen über einen Kompromiss.
(Quellen: BMG, Bundesregierung, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














