Millionen Deutsche arbeiten an der Schwelle zum Niedriglohn

Ein Arbeitshandschuh, wohl eines Industriearbeiters, liegt auf einem Tisch. Auf ihm befindet sich etwas Kleingeld. Ein 5-Euro-Schein sowie diverse Münzen und Cents, die für den Lohn des Arbeiters stehen.
Symbolbild © imago/Christian Ohde

Aktuelle Zahlen belegen es: Tag für Tag arbeiten Millionen Deutsche an der Schwelle zum Niedriglohn. Kritiker sehen nun einen dringenden Handlungsbedarf, um faire Löhne für alle Beschäftigten zu ermöglichen.

Seit 2015 steigt der Mindestlohn immer weiter an. Trotz der Anpassung kämpfen Millionen Menschen in Deutschland mit prekären Verhältnissen. Wer besonders betroffen ist.

Zahlreiche Menschen arbeiten an der Schwelle zum Niedriglohn

Eine geringe Bezahlung ist nach wie vor bittere Realität für viele Beschäftigte in Deutschland. Auswertungen belegen, dass insbesondere Frauen betroffen sind, die häufiger im Niedriglohnsektor landen. Auch Teilzeitarbeit und Unterbrechungen für die Familie spielen hier eine Rolle. Neue Daten der Bundesregierung verdeutlichen das Ausmaß der niedrigen Einkommen. Um den Druck zu senken, wurde vor Jahren der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Von anfangs 8,50 Euro stieg er schrittweise an. Aktuell liegt die Lohnuntergrenze bei 13,90 Euro pro Stunde. Für den Jahresbeginn 2027 ist bereits eine Erhöhung auf 14,60 Euro fest eingeplant ‒ eine Anpassung, die laut Kritikern jedoch nicht genügt.

Verdienst liegt oft bei weniger als 15 Euro

Für fast jeden fünften Arbeitnehmer ergab die Abrechnung im April des vergangenen Jahres einen stündlichen Bruttoverdienst von unter 15 Euro. Rechnet man das auf die gesamte Bundesrepublik hoch, betraf dies rund 7,7 Millionen Menschen. Besonders im Gastgewerbe, im Handel oder in der Landwirtschaft sind solche Löhne verbreitet. Dabei zeigt die Statistik ein klares Gefälle: Mit 4,3 Millionen sind deutlich mehr Frauen als Männer von dieser geringen Bezahlung betroffen.

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Gewerkschaften und Sozialverbände schlagen bei diesen Zahlen Alarm. Sie finden: Das aktuelle Minimum reicht hinten und vorne nicht, um ein vernünftiges Leben zu führen oder später eine ordentliche Rente zu bekommen. 15 Euro oder mehr müssten es schon sein, auch um europäische Vorgaben für faire Löhne einzuhalten. Viele Experten kritisieren zudem, dass die ständige Debatte über mangelnde Arbeitsmoral an der Realität vorbeigeht. Betroffene empfinden die Kluft zwischen Arbeitsaufwand und finanzieller Absicherung oft als unverhältnismäßig. Fachleute verweisen deshalb auf die allgemeine Unzufriedenheit, unter der zahlreiche Beschäftigte in Deutschland leiden. Wann und ob eine echte Wende kommt, bleibt vorerst offen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Statistisches Bundesamt)