Millionen Menschen fühlen sich in Deutschland zweiter Klasse

Eine belebte Fußgängerzone an einem warmen Sommertag. Die Straße ist voller Menschen und rechts und links sieht man Geschäfte, in denen man einkaufen kann. Zudem befinden sich viele Cafés und Restaurants entlang des Fußgängerwegs.
Symbolbild © imago/Wolfgang Maria Weber

In Deutschland fühlen sich viele Bürger wie Menschen zweiter Klasse. Eine aktuelle Auswertung zeigt das besorgniserregende Ausmaß – und deckt die Gründe auf. Experten fordern politische Lösungen und appellieren an die Gesellschaft.

Wer sich gesellschaftlich abgewertet fühlt, ist damit nicht allein: Eine große Studie zeigt nun, dass sich zahlreiche Bürger regelmäßig diskriminiert fühlen. Folgende Gruppen werden am häufigsten benachteiligt.

Auswertung: Menschen in Deutschland fühlen sich wie Bürger zweiter Klasse

Ob bei der Suche nach einer Wohnung, beim Kreditantrag in der Bank oder beim Restaurantbesuch: Diskriminierung findet überall und täglich statt. Was Betroffene oft als schmerzhaftes Einzelschicksal erleben, ist laut aktueller Datenlage jedoch ein strukturelles Problem in Deutschland. Dies belegen indessen die neuesten Auswertungen des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP). Die Daten wurden im Auftrag der staatlichen Antidiskriminierungsstelle vom DeZIM-Institut aufgearbeitet.

Wer besonders häufig von Diskriminierung betroffen ist

Rund neun Millionen Erwachsene – das ist etwa jeder achte Bürger – berichten von Ausgrenzung innerhalb nur eines Jahres. Besonders häufig geraten Menschen mit einer Migrationsgeschichte oder muslimischen Glaubens ins Visier. Auch Personen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich oft von Benachteiligungen betroffen. Häufigste Ursache für die negativen Erlebnisse ist Rassismus. Über 40 Prozent der Befragten führen die erlebte Abwertung auf ihre Herkunft zurück. Eine primär betroffene Gruppe bilden muslimische Frauen: Wer ein Kopftuch trägt, ist laut der Analyse deutlich häufiger von Ausgrenzung betroffen als der Durchschnitt. Neben seelischen Belastungen und gesundheitlichen Folgen schwindet bei den Betroffenen vor allem das Vertrauen in staatliche Strukturen.

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Besorgniserregend bleibt, dass viele der Benachteiligten darauf verzichten, aktiv gegen solche Vorfälle vorzugehen. Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman sieht in diesem Ausmaß eine ernsthafte Gefahr für das soziale Gefüge in Deutschland. Auch die Wirtschaft würde leiden: Die Benachteiligungen im Berufsalltag sowie beim Erwerb von Produkten und Dienstleistungen hätten negative Auswirkungen. Außerdem betont sie, dass ein Land, in dem sich Millionen Menschen lediglich als Bürger minderen Rechts wahrgenommen fühlten, krisenanfällig sei. Um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern, mahnt die Beauftragte nun rasche politische Lösungen an.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)