Mysteriöse Gespinste breiten sich an Bäumen aus in Gärten

Eine große Wiese wird umrandet von Bäumen und Gebüschen. Der Himmel ist grau. Die Pflanzen strahlen in einem satten Grün. Es sind einige Blumen zu sehen.
Symbolbild © istockphoto/BiancaGrueneberg

Mysteriöse weiße Gespinste breiten sich derzeit an Bäumen aus und sorgen vielerorts für Verunsicherung. Ganze Sträucher werden kahlgefressen – hinter dem spektakulären Anblick steckt ein überraschender Verursacher.

Weiße Schleier, kahle Äste und tausende kleine Bewohner: In vielen Gärten bietet sich derzeit ein ungewöhnlicher Anblick.

Ganze Bäume verschwinden unter weißen Netzen

Wer derzeit durch Gärten, Parks oder entlang von Feldwegen spaziert, traut seinen Augen kaum: Ganze Bäume und Sträucher wirken, als wären sie mit einem riesigen Spinnennetz überzogen worden. Teilweise sind die Äste komplett eingehüllt, frische Blätter fehlen oft vollständig. Verantwortlich sind die Raupen der Gespinstmotte. Die winzigen Tiere können innerhalb weniger Wochen ganze Sträucher und Bäume in ein dichtes weiß-graues Netz einhüllen. Besonders häufig betroffen sind Traubenkirschen, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Weiden und Pappeln. Auch Obstbäume bleiben nicht verschont. Nadelbäume hingegen haben nichts zu befürchten.

Die Raupen nutzen ihre Gespinste als Schutzschild gegen Fressfeinde und Regen. Unter dieser schützenden Hülle machen sie sich über die Blätter her. Bis Mitte Juni können sie einen Baum nahezu vollständig kahlfressen. Das ist für die meisten gesunden Pflanzen jedoch kein Todesurteil. Entwarnung gibt es auch für Menschen: Die Gespinstmotte ist vollkommen harmlos. Weder die Raupen noch ihre Gespinste sind giftig oder gesundheitsschädlich. Verwechselt werden dürfen sie allerdings keinesfalls mit dem Eichenprozessionsspinner. Dessen Brennhaare können allergische Reaktionen, starken Juckreiz, Atemwegsreizungen sowie weitere gesundheitliche Beschwerden auslösen.

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Warum Gartenbesitzer jetzt nicht zur Giftspritze greifen sollten

Experten raten davon ab, die Raupen mit Insektengiften zu bekämpfen. Ist das Gespinst erst einmal ausgebildet, erreichen viele Mittel die Tiere ohnehin kaum noch. Zudem werden häufig auch nützliche Insekten und natürliche Feinde der Gespinstmotte geschädigt. Wer einen Befall früh erkennt, kann die Raupen absammeln und so eine Massenvermehrung eindämmen. Besonders wichtig ist es außerdem, natürliche Helfer zu fördern. Meisen und andere Gartenvögel haben Raupen zum Fressen gern und können die Population deutlich reduzieren.

Die gute Nachricht für betroffene Bäume: Obwohl sie derzeit oft kahl wirken, folgt häufig schon bald die Rettung. Rund um den Johannistag am 24. Juni setzt bei vielen Laubbäumen der sogenannte Johannistrieb ein. Dann treiben sie erneut aus und bilden frische Blätter. Für das kommende Jahr kann bei starkem Befall ein Präparat mit Bacillus thuringiensis helfen. Entscheidend ist jedoch der richtige Zeitpunkt: Die Behandlung sollte zwischen Mitte April und Mitte Mai erfolgen. Haben sich die Raupen erst einmal in ihre dichten Gespinste zurückgezogen, kommt jede Hilfe zu spät.

(Quellen: NABU NRW, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)