
Ein deutscher Traditionshersteller ist insolvent. Die berühmte Kult-Firma besteht bereits seit über 100 Jahren und befindet sich nun in Insolvenz in Eigenverwaltung. Etwa 100 Mitarbeiter sind betroffen.
Ausnahmsweise sind es nicht die Zölle der USA, die steigende Inflation oder fehlende Aufträge, die diesem Unternehmen aktuell zu schaffen machen. Und doch ist die traditionsreiche Firma jetzt insolvent.
Nach mehr als 100 Jahren insolvent
1909 wurden in der Könitzer Porzellanfabrik Rödl & Metzel GmbH die ersten Rundöfen angeheizt, um Geschirr herzustellen. Die Nachfrage nach den Tassen, Bechern und besonders den Teesätzen war seinerzeit so groß, dass die Manufaktur aus Thüringen bereits 1912 expandierte. Dennoch stieg Alois Rödl aus, und die Gebrüder Metzel führten die Firma allein weiter. Sie überstand zwei Weltkriege und die Wiedervereinigung Deutschlands – nicht selbstverständlich. Das Könitzer Porzellan erfreute sich über die Jahrzehnte immer größerer Beliebtheit, nicht zuletzt, da man sich stets neu erfand. Werbepartnerschaften und Sonderanfertigungen für Melitta, Porsche und sogar den Louvre in Paris sowie die Produktion und der Vertrieb namhafter Lizenzen wie Asterix & Obelix gehören zum Portfolio der Porzellanfabrik. Nach eigenen Angaben stecken 300 Jahre Erfahrung hinter dem Erfolg. Wieso ist eine so etablierte Firma also insolvent?
Berühmte deutsche Kult-Firma meldet Insolvenz an
Das Amtsgericht in Gera bearbeitet aktuell ein Verfahren wegen Insolvenz in Eigenverwaltung. Den Antrag dazu hat die Könitz Porzellan GmbH jüngst gestellt. Grundlage dafür sind jedoch nicht etwa Misswirtschaft oder Verlustgeschäfte, sondern ein Rechtsstreit mit einem früheren Geschäftspartner. Dieser soll das Unternehmen auf Schadensersatz in sechsstelliger Höhe verklagt haben – weshalb, ist nicht offiziell bekannt. Das Urteil werde jedoch angefochten. Allerdings konnte der einstige Partner aus Frankreich eine Kontenpfändung erwirken. Um den Geldfluss ins Ausland zu stoppen, meldet sich Könitz Porzellan freiwillig insolvent.
Demnach zeigt sich die Geschäftsführung optimistisch und geht davon aus, dass der Widerspruch gegen das Urteil erfolgreich endet und die Firma nicht pleitegeht. Somit haben auch die rund 100 Angestellten nichts zu befürchten. Zwar beeinflusse der Prozess das Arbeitsklima, der Betrieb laufe jedoch ganz normal weiter. Das Gehalt sei vorerst durch das Insolvenzgeld gesichert. Bei zureichender Liquidität erfolgt die Rückzahlung an die Bundesagentur für Arbeit.
(Quellen: MDR, Statistisches Bundesamt)














