Nach über 80 Jahren: Berühmte Parfümeriekette geht insolvent

Ein Verkaufsstand in einer Parfümerie. Es sind Parfüms, Kosmetikprodukte und verschiedene Pflegeartikel ausgestellt. Im Hintergrund ist ein Bildschirm zu sehen, auf dem "Nature" steht. Es sind verschiedene Marken im Geschäft erkennbar.
Symbolbild © imago/argum

Seit über 80 Jahren prägt eine traditionsreiche Parfümeriekette das Beauty-Shopping in Deutschland – doch nun steckt sie plötzlich in der Krise. Was hinter der Insolvenz steckt und was die Kunden jetzt unbedingt wissen müssen.

Nach über 80 Jahren trifft es nun auch eine deutsche Branchen-Ikone: Ein Traditionshaus mit rund 120 Filialen rutscht in die Insolvenz.

Ein Schock für die Beauty-Welt

Eine der ältesten und bekanntesten Parfümerieketten des Landes hat nach mehr als acht Jahrzehnten den Gang zum Amtsgericht antreten müssen. Die „Stadt-Parfümerie Pieper“, gegründet 1931 in Bochum, muss ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Für viele Kunden, die die Kette seit Jahrzehnten als festen Bestandteil ihrer Innenstadt kennen, kommt die Nachricht überraschend.

Doch zumindest fürs Erste gibt es Entwarnung: Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter – sowohl die rund 120 Filialen, vor allem in Nordrhein-Westfalen, als auch der Onlineshop bleiben geöffnet. Die Gehälter der rund 900 Mitarbeiter übernimmt für drei Monate die Bundesagentur für Arbeit.

Veränderungen am Markt: Familientradition in der Krise

Die Insolvenz trifft damit ein echtes Familienunternehmen. Firmenchef Oliver Pieper, Urenkel der Gründerin Anna Pieper, führt die Parfümeriekette seit 2018 – sein Vater und Vorgänger Gerd Pieper war erst vor gut einem Jahr verstorben. Trotz des schweren Schritts bleibt das bisherige Management an Bord. Als vorläufige Sachwalterin wurde die erfahrene Anwältin Sarah Wolf eingesetzt, die das Sanierungsverfahren begleiten soll. Pieper, bekannt für ein breites Sortiment aus Parfüm, Make-up, Pflegeprodukten, Naturkosmetik und Accessoires, hatte in den Corona-Jahren kräftige Rückschläge erlitten. Lockdowns und geschlossene Innenstädte hinterließen deutliche Spuren in der Kasse. Zwar zeigte der letzte veröffentlichte Geschäftsbericht für Juli 2021 bis Juni 2022 wieder einen leichten Aufwärtstrend: 113,7 Millionen Euro Netto-Umsatz bei einem kleinen Gewinn von 0,2 Millionen Euro. Doch offenbar hat sich die Lage seitdem stärker eingetrübt als erwartet.

Lesen Sie auch
Forderung: Hymnen-Pflicht soll bei offiziellen Feiern zurückkommen

Besonders bitter: Die Beauty-Branche insgesamt boomte zuletzt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey stieg der weltweite Schönheitsmarkt 2023 um zehn Prozent auf 446 Milliarden US-Dollar, Parfüm sogar um vierzehn Prozent. In Deutschland profitierten vorwiegend große Player wie Douglas und Sephora – während Pieper nun ums Überleben kämpft.

(Quellen: Justizportal des Bundes und der Länder, dpa)