Neue Krankmeldung für Millionen Beschäftigte steht auf der Kippe

Auf einer Krankschreibung für einen Arbeitnehmer liegt ein Kugelschreiber.
Symbolbild © istockphoto/AnnettVauteck

SPD-Chefin Bärbel Bas äußerte sich kritisch über die neue Krankmeldung, sodass diese für die Beschäftigten auf der Kippe stehen könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz findet jedoch klare Worte.

Die geplante Reform sorgt für heftige Diskussionen in der Politik. Während die einen das Vorhaben schnell umsetzen wollen, warnen andere vor den Folgen für das gesamte System.

Neue Krankmeldung ab dem 1. Tag: Deshalb treibt die Bundesregierung das Vorhaben voran

Die Bundesregierung will die gesetzliche Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einführen, um die historisch hohen Krankenstände in Deutschland drastisch zu senken und die Wirtschaft anzukurbeln. Die Maßnahme ist Teil eines im Juli 2026 beschlossenen Reformpakets der Koalitionsspitzen.

So soll die Pflicht, sofort am ersten Tag ein ärztliches Attest vorlegen zu müssen, als psychologische Barriere wirken. Laut Vertretern der Union soll dies verhindern, dass sich Arbeitnehmer, die morgens vielleicht nicht wirklich krank sind, aber noch überlegen, leichtfertig krankmelden. Wer die Hürde eines Arztbesuchs vor Augen hat, entscheidet sich im Zweifel eher für die Arbeit. Zudem leidet die deutsche Wirtschaft unter extrem hohen Kosten durch Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall und sieht in den langen Abwesenheiten einen massiven Wettbewerbsnachteil. Durch die Reform sollen Unternehmen wirtschaftlich spürbar entlastet werden.

Bas äußert sich kritisch – CDU und der Bundeskanzler finden klare Worte

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Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas stellt die bereits im Juli vereinbarte Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag öffentlich infrage, weil sie inhaltlich von der Maßnahme nicht überzeugt ist und erhebliche Zweifel an deren Sinnhaftigkeit und praktischer Umsetzung hat. Zudem befürchtet die Ministerin einen Boomerang-Effekt. Wer wegen einer leichten Erkältung oder eines kurzen Unwohlseins sofort am ersten Tag zum Arzt geschleppt wird, bleibt am Ende oft länger weg. Da Ärzte ein Attest selten für nur einen einzigen Tag ausstellen, könnte ein eigentlich nur zweitägiger Infekt künftig zu einer Krankschreibung für eine ganze Woche führen.

Des Weiteren stellt sie klar, dass das sogenannte Primärarzt-System, das dafür notwendig sei, noch gar nicht existiere. Außerdem äußerte sie Zweifel an der Wirksamkeit, da es zu viele Ausnahmen gäbe. Der Bundeskanzler hat sich ebenfalls geäußert. Er stellt klar, dass man sich auf diese Neuerung im Koalitionsvertrag geeinigt habe und es deshalb nichts zu diskutieren gebe. Ein Politiker aus der CDU äußerte sich ebenfalls. Nicht jeder sei von jedem Vorschlag begeistert. Aber was man gemeinsam vereinbare, müsse man anschließend auch gemeinsam nach außen hin vertreten. Ständige Debatten über jedes einzelne Vorhaben würden Deutschland nicht weiterbringen.

(Quellen: Bundesregierung, BMAS)